Plattform zu Beton und Stahl im Bauwesen
Vom Systembau zum Fertighochhaus
Die Balkone sind aus weißem Beton mit Gletscherkies und teilweise gestrahlt.

Vom Systembau zum vorgefertigten Hochhaus

New West macht Skalierungssprung

An der Johan Greivestraat und der Piet Mondriaanstraat in Amsterdam Nieuw-West wird ein Nachkriegs-Wohngebiet umfassend umgestaltet. Vier veraltete Vorbauwohnungen mit insgesamt 112 Sozialwohnungen werden maximal 265 neuen Wohnungen Platz machen. Die Wohnungsbaugesellschaft Lieven de Key strebt dabei eine Verdichtung, Differenzierung und den Erhalt des sozialen Zusammenhalts an - in der Praxis bleibt diese Kombination jedoch komplex.

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Von vier Wohnungen zu einem kompakten Stadtensemble

Die Sanierung ist in zwei Phasen unterteilt. In der ersten Phase wird ein Wohngebäude mit 135 Sozialwohnungen und rund 750 m² Gewerbefläche nach einem Entwurf von Arons und Gelauff Architects errichtet. Das Gebäude wird über einen Innenhofgarten verfügen und verschiedene Zielgruppen ansprechen, von Familien über junge Menschen bis hin zu kleineren Haushalten. In der zweiten Phase folgen zwei Wohntürme mit bis zu 130 Wohnungen im mittleren Miet- und Nichtmietsegment. Der Entwickler VORM wird hier auch eine Kindertagesstätte und eine Tiefgarage realisieren. Die Fertigstellung des sozialen Wohnbaus ist für Sommer 2026 geplant, das dahinter liegende Conrad-Projekt wird voraussichtlich Ende 2027 folgen.

Der Sprung von 112 auf 265 Wohnungen ist ein deutlicher Schritt zur Verdichtung. Gleichzeitig stellt er eine grundlegende Änderung des ursprünglichen städtebaulichen Entwurfs dar, mit höherem Volumen und intensiverer Nutzung des Raums.

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Weißer Beton mit Steinstreifen.

Fertigteile als Träger von Geschwindigkeit und Aussehen

Betonfertigteile spielen eine zentrale Rolle bei der Ausführung. Hibex lieferte alle Fassadenelemente und Balkone für das Projekt, das in einer Kombination aus weiß gestrahltem Beton und weißen Betonelementen mit Steinstreifen ausgeführt wurde. Für den weißen Beton wurde Aalborg-Weißzement verwendet, der zu einem hellen, einheitlichen Erscheinungsbild der Fassade beiträgt. Weißer Beton hat hier nicht nur einen ästhetischen Wert, sondern auch funktionale Vorteile: Er sorgt für eine beleuchtete und sozialverträglichere Fassade und reflektiert das Sonnenlicht, was die Aufheizung reduziert. Außerdem behält er sein helles Aussehen auch bei wechselnden Witterungsbedingungen.

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Im Bauwesen spielen Betonfertigteile eine zentrale Rolle.

Die Lieferung umfasste:

  • 84 gestrahlte Fassadentafeln;
  • 98 Balkone mit gestrahlten Kanten;
  • 571 Fassadenelemente mit Steinstreifen;
  • 259 Brüstungen, Sockelleisten, Terrassendielen und Traufen (sandgestrahlt);
  • 96 Bank- und Pflanzkastenelemente (gestrahlt).

Die Fertigteilbauweise unterstützt eine effiziente Baulogistik und hohe Wiederholungsraten. Gleichzeitig ist die Verwendung von Steinstreifen auf Beton in der Branche nach wie vor umstritten, insbesondere im Hinblick auf Details, Alterung und längerfristige Instandhaltung.

Rückkehr und Verschiebung

Von den ursprünglichen Bewohnern können 58 Haushalte in das neue Gebäude zurückkehren. Diese Rückkehroption ist wichtig für die Unterstützung, bedeutet aber auch, dass ein erheblicher Teil der Bewohner anderswo untergebracht werden muss. Damit berührt das Projekt ein breiteres Spannungsfeld bei der Stadterneuerung: Wie lassen sich physische Verbesserungen mit sozialer Kontinuität verbinden?.

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Der vorgefertigte Ansatz unterstützt eine effiziente Baulogistik.

Mehr Grün, aber auch mehr Druck

Die Neugestaltung des öffentlichen Raums soll mit der Verdichtung einhergehen. Es wird mehr Grün geben, bessere Verbindungen für den Langsamverkehr und eine Erweiterung des Spoorparks. Dies sind notwendige Eingriffe, um die Lebensqualität zu erhalten. Die Frage ist jedoch, ob diese Maßnahmen ausreichen, um die höhere Dichte zu kompensieren. Die Verdichtung erfordert nicht nur mehr Wohnraum, sondern auch strukturelle Investitionen in Außenanlagen, Einrichtungen und Verwaltung.

Abwägung zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Laut Lieven de Key wurde der Plan in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde und den Bewohnern entwickelt. Dies entspricht der gängigen Praxis der Gebietsentwicklung, bei der Partizipation und Koordination wesentlich sind. Doch gerade dieses Projekt zeigt, wie heikel das Gleichgewicht ist. Verdichtung, Zusammenlegung von Programmen und Industrialisierung des Bauens bieten klare Vorteile, werfen aber auch neue Fragen auf. Technische, städtebauliche und soziale. Die Sanierung der Johan Greivestraat ist somit ein Beispiel dafür, in welche Richtung sich die niederländischen Städte bewegen. Ob dieser Ansatz auch langfristig zu einem robusten und inklusiven Wohnumfeld führen wird, wird sich erst zeigen, wenn das Gebiet tatsächlich genutzt wird.

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