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‘Betonpflege sollte man aktiv gestalten, nicht einfach hinnehmen’
Die Konsolen eines Wohngebäudes werden mit einem Bewehrungskontakt versehen. (Bild: CPS)

‘Die Betoninstandhaltung muss man aktiv gestalten, statt sie einfach über sich ergehen zu lassen’

Auf Lebensverlängerung ausgerichtetes Denken

Die Betonbranche ist gut im Reparieren, aber weniger versiert im Vorbeugen. Das sagt Anthony van den Hondel, Geschäftsführer von Cathodic Protection Supplies. Seiner Meinung nach hinkt die Instandhaltung von Betonkonstruktionen allzu oft den Schäden hinterher. Der kathodische Korrosionsschutz (KB) kann dabei eine Schlüsselrolle spielen, sofern er richtig verstanden und strategisch eingesetzt wird.

Die Instandhaltung von Beton wird oft als selbstverständlich angesehen. Und genau diese Herangehensweise führt häufig zu Problemen. “Beton kann man nicht ‘einfach so’ instand halten”, beginnt Van den Hondel. “Dennoch sehe ich immer noch viel Routine: feste Rundgänge gemäß dem MJOP befolgen oder erst eingreifen, wenn Schäden sichtbar werden. Beide Vorgehensweisen sind riskant, denn die Korrosion der Bewehrung beginnt unsichtbar. Wenn sie an der Außenseite zu sehen ist, ist es meist schon zu spät. Gleichzeitig wird manchmal auch zu früh eingegriffen, einfach weil es der Plan so vorschreibt. Das kostet Geld, ohne dass es technisch notwendig ist.”

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Die Brüstung eines Bürogebäudes wird mit kathodischem Korrosionsschutz versehen. (Foto: Foppe Schut)

Zustandsorientierte Instandhaltung

Das richtige Timing ist also entscheidend bei der Betoninstandhaltung. “Deshalb plädiere ich für eine zustandsorientierte Instandhaltung”, so Van den Hondel. “Konkret bedeutet das: erst messen und untersuchen, dann erst entscheiden. Beton eignet sich dafür hervorragend. Man kann den Zustand einer Konstruktion recht gut bestimmen und auf dieser Grundlage Szenarien vergleichen: Was passiert, wenn ich jetzt nichts unternehme? Oder wenn ich verschiedene Maßnahmen ergreife? Dabei geht es nicht nur um Technik, sondern auch um Beeinträchtigungen für die Nutzer, die Durchführbarkeit und die Kosten über die gesamte Lebensdauer. KB kann dabei eine Rolle spielen. Es ist keine Lösung für alles und sicherlich keine Standardmaßnahme, aber es ist eine der wenigen Techniken, die den Korrosionsprozess tatsächlich stoppt. Das macht es aus Sicht des Asset Managements interessant. Die Frage sollte also nicht lauten, was KB kostet, sondern wie es sich auf den gesamten Wartungsaufwand in den kommenden Jahrzehnten auswirkt.”

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Stromversorgung eines Viadukts: Messen ist Wissen. (Bild: CPS)

Denkfehler

Van den Hondel unterscheidet in der Praxis der Betoninstandhaltung eine Reihe hartnäckiger Denkfehler. “Der erste besteht darin, dass Anlagenmanagement und Instandhaltung getrennt voneinander betrachtet werden. Anlagenmanagement ohne Instandhaltung ist nichts weiter als leere Worte auf dem Papier. Instandhaltung ohne Anlagenmanagement ist sinnlos. Lebensdauerverlängerndes Denken bedeutet, Maßnahmen hinsichtlich Risikominderung, Restlebensdauer, Beeinträchtigungen, Durchführbarkeit und Total Cost of Ownership abzuwägen. Wer sich ernsthaft mit der Verlängerung der Lebensdauer befassen will, muss Maßnahmen unter Berücksichtigung von Risikominderung und langfristiger Wirkung abwägen. Hier passt KB oft gut hinein, gerade weil es den wichtigsten Schadensprozess stoppt.”

Was benötigt wird

Ein weiterer Denkfehler ist der Glaube an eine Einheitslösung. “Ohne Diagnose kann man keine gute Strategie festlegen. Manchmal ist eine Maßnahme zu drastisch, manchmal zu harmlos. Eine Brücke komplett unter KB zu stellen, ist auch nicht unbedingt sinnvoll. Es kommt darauf an, was nötig ist. Keine Szenarioabwägungen vorzunehmen, ist eigentlich eine verpasste Chance. Das bringt mich zum dritten Denkfehler: Monitoring als Schwäche oder ‘Ärger’ zu betrachten. KB ist ein aktives System, also ja, man muss messen. Aber genau darin liegt die Stärke. Es ist so ziemlich die einzige Technik, mit der man objektiv nachweisen kann, was vor sich geht und wie sich das im Laufe der Zeit entwickelt. Diese Daten machen das Bauwerk zu einer Informationsquelle und helfen dabei, die Instandhaltung planbar zu machen.”

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Verlegung eines Belags auf einem KB-System auf dem Boden eines Parkhauses. (Bild: CPS)

Steuern

Damit schlägt er direkt eine Brücke zu Denkfehler Nummer vier. Van den Hondel: “Viele Verwalter warten lieber auf den nächsten Wartungstermin, aber feste MJOP-Runden sind oft zu grobmaschig. Dann kommt es zu Situationen, in denen eine Anlage eigentlich vier Wochen lang geschlossen sein sollte, es aber schließlich vierzehn werden. Das ist kein Pech, sondern die Folge von zu wenig Vorabwissen. Instandhaltung wird dann zu etwas, das einem einfach passiert, obwohl man sie eigentlich steuern könnte.” Ein noch größerer Denkfehler ist jedoch Nummer fünf: Unsicherheit in Untätigkeit umzuwandeln, während die Korrosion unterdessen einfach weitergeht. “Unsicherheit sollte vielmehr zu zusätzlichen Untersuchungen oder vorübergehenden Kontrollmaßnahmen führen. Untätigkeit ist selten neutral; sie macht die letztendliche Maßnahme fast immer teurer.”

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Rostflecken deuten auf starke Korrosion im vorgespannten Träger einer Brücke hin. (Bild: CPS)

“In der Betonbranche sollte eine andere Denkweise vorherrschen”, schließt Van den Hondel. “Weniger reparieren, was kaputtgeht, mehr Kontrolle darüber übernehmen, was man tut und wann man es tut. Intelligente Instandhaltung beginnt mit der Diagnose und dem richtigen Timing. Und dann kann KB ein sehr wertvolles Instrument sein, vorausgesetzt, man setzt es strategisch ein und nicht aus Routine.” 

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