Plattform zu Beton und Stahl im Bauwesen
Fertigbeton als treibende Kraft
Die schwimmende Pontonbrücke ist 380 Meter lang und schlängelt sich knapp über dem Wasserspiegel zur anderen Seite. (Bild: Wikimedia Commons)

Fertigbeton als treibende Kraft

In Terhills, dem ehemaligen Bergwerksgelände von Eisden, wurde das limburgische Radwegenetz um eine besondere Verbindung erweitert. Die 380 Meter lange schwimmende Pontonbrücke zwischen dem Panorama- und dem Zwillingshalden ist nicht nur eine Touristenattraktion, sondern auch ein eindrucksvolles Beispiel für Fertigbeton, Präzisionsingenieurwesen und nachhaltige Raumplanung. Die S-förmige Konstruktion schlängelt sich knapp über der Wasseroberfläche zur gegenüberliegenden Seite und ermöglicht es sowohl Radfahrern als auch Wanderern, die neu gestaltete Bergbaulandschaft aus einer neuen Perspektive zu erleben.

Terhills ist heute ein etwa 365 Hektar großes Natur- und Erholungsgebiet am Rande des Nationalparks Hoge Kempen. Wo früher Kohle abgebaut wurde, erstreckt sich heute eine Landschaft aus Gewässern, Halden, Fauna, Flora und Freizeitwegen. Die Realisierung der neuen Pontonbrücke fügte sich perfekt in diese umfassendere Umnutzung ein: Sie verleiht dem Gebiet eine neue Dimension, ohne die bestehenden landschaftlichen Qualitäten zu beeinträchtigen. Anstelle eines massiven infrastrukturellen Eingriffs entschied sich das Designteam für eine leichte, reversible und landschaftlich integrierte Lösung.

Die Brücke wurde im Auftrag von LRM realisiert und von der Provinz Limburg mitfinanziert. Burolandschap entwarf das Design und die landschaftliche Einbindung, während Tractebel für die technische Umsetzung sorgte. Die Entscheidung für eine S-förmige Brücke war dabei von entscheidender Bedeutung. Eine gerade Verbindung würde eine harte Sichtachse durch das Gebiet ziehen. Die geschwungene Form folgt hingegen einem natürlicheren Rhythmus und passt besser zum Maßstab und zur Wahrnehmung der Landschaft. Transparente Geländer sorgen dafür, dass der Blick auf das Wasser, die Ufer und die Halden so weit wie möglich erhalten bleibt.

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Die S-förmige Konstruktion gewährleistet eine fließende, organische Einbindung in die natürliche Umgebung. (Bild: Charline Smeets – Visit Limburg)

Sich mit dem Wasser mitbewegen

Im Mittelpunkt dieses außergewöhnlichen Bauvorhabens steht der intelligente Einsatz von Fertigbeton. Die Brücke besteht aus 28 gebogenen Betonpontonelementen mit einer Länge von 13,5 Metern, einer Breite von 3,30 Metern und einem Gewicht von 40 Tonnen. Sie sind wie Glieder über eingegossene Metallgelenke miteinander verbunden. Unter Wasser werden sie durch fünfzehn Stahlrohrpfähle geführt und verankert, die 24 bis 26 Meter tief in den Seegrund gerammt wurden. So entsteht eine stabile und zugleich flexible Konstruktion, die sich den Schwankungen des Wasserstands anpassen kann.

Dieses Zusammenspiel von Robustheit und Anpassungsfähigkeit macht die Brücke so besonders. Die Pontons sind mit einem EPS-Kern ausgestattet, der für zusätzlichen Auftrieb sorgt. Nach dem Archimedes-Prinzip bleiben sie durch das Gleichgewicht zwischen Eigengewicht, verdrängtem Wasservolumen und Auftriebskraft schwimmfähig. Das ist entscheidend, da der Wasserstand unter dem Einfluss der Jahreszeiten, des Windes und des Wellengangs stark schwanken kann. Die Konstruktion ist so ausgelegt, dass sie Höhenunterschiede von bis zu 2,5 Metern und Wellen von bis zu 75 Zentimetern auffangen kann, während die Brücke für Radfahrer und Fußgänger weiterhin bequem befahrbar bleibt.

Eine beeindruckende Leistung in den Bereichen Ingenieurwesen und Fertigungstechnik

Die Fertigung der Fertigteile erfolgte durch Betca auf der Grundlage des Ausführungskonzepts des Bauunternehmens HYE. Es wurden fünfzehn Elemente mit linker Krümmung und dreizehn mit rechter Krümmung aus selbstverdichtendem C50/60-Beton hergestellt. Fertigbeton bot hier klare Vorteile: hohe Maßhaltigkeit, kontrollierte Produktionsbedingungen, begrenzte Bauzeit auf der Baustelle sowie eine optimale Kontrolle von Qualität und Toleranzen. Darüber hinaus ermöglichte der Fertigteilansatz, die komplexe Geometrie im Voraus genau auszuarbeiten und zu testen.

Diese Präzision war unerlässlich. In die Pontons wurden UPN-Stahlprofile, Hebevorrichtungen, Verbindungselemente und Einbauteile integriert. Einige Toleranzen betrugen kaum 2 Millimeter. Auch die Position der Führungskonstruktionen und der Verbindungen zu den Rohrpfählen musste exakt stimmen, damit sich die gesamte S-förmige Kette korrekt an die Landköpfe anschließen konnte. 3D-CAD spielte daher eine Schlüsselrolle bei der Konstruktion, der Arbeitsvorbereitung und der Abstimmung zwischen Beton, Stahl und Ausführung.

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Für den Bau der Brücke wurden unter anderem ein provisorischer Kai, ein Verbindungsponton und sogar ein altes deutsches Militärboot benötigt. (Bild: HYE)

Nachhaltig, modular und umkehrbar

Auch die Organisation der Baustelle erforderte ein durchdachtes Vorgehen. Da der See vollständig von Land umgeben ist, mussten die Fertigteile über die Straße angeliefert werden. HYE errichtete einen provisorischen Kai, um die Pontons zu entladen und zu Wasser zu lassen. Ein Koppelponton diente als Arbeitsplattform für den Seilkran, mit dem die Elemente eingesetzt wurden. Trotz der technischen Komplexität, hoher Wasserstände und oft schwieriger Wetterbedingungen wurde die Brücke in knapp sechs Monaten montiert.

Diese Pontonbrücke zeigt, wie Fertigbeton zu einer intelligenten Infrastruktur in sensiblen oder wertvollen Umgebungen beitragen kann. Die Konstruktion ist nachhaltig, modular und grundsätzlich reversibel: Bei Bedarf kann sie entfernt werden, ohne die Landschaft dauerhaft stark zu beeinträchtigen. Auch das Kunstwerk aus Cortenstahl am Ende der Brücke, das aus wiederverwendeten Segmenten der Verankerungspfähle gefertigt wurde, unterstreicht diesen Kreislaufgedanken.

Seit ihrer Eröffnung im September 2024 hat die Brücke bereits Zehntausende Radfahrer und Wanderer willkommen geheißen. Doch das Projekt geht über seine Freizeitfunktion hinaus. Es ist ein Beispiel dafür, wie ein ehemaliges Industriegelände durch gezielte Infrastruktur eine neue Bedeutung erhalten kann. Fertigbeton ist dabei nicht nur die bautechnische Lösung, sondern der Träger einer umfassenderen Vision: die Gestaltung einer Landschaft, die zugänglich und zukunftsorientiert ist und respektvoll mit ihrer Vergangenheit umgeht.

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