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Geopolymerbeton kommt aus der Versuchsphase
Die Technik ist vorhanden, die Behörde hat ihre Arbeit erledigt und die ersten Rohbauten stehen.

Geopolymerbeton kommt aus der Versuchsphase

‘Der Markt muss sich damit auseinandersetzen’

Bei der MBS-Gruppe ist Geopolymerbeton kein Laborversprechen mehr, sondern gelebte Baupraxis. Innovations- und Produktmanager Erik de Vries sieht vor allem einen großen Fortschritt: konstruktiver Fertigbeton ohne Zement, der eingesetzt werden kann, ohne den Bauprozess auf den Kopf zu stellen.

Wer in der Baubranche über Nachhaltigkeit spricht, gerät schnell in den Bereich von Systementscheidungen, angepassten Details und neuen Risiken. Genau das möchte die MBS-Gruppe beim Geopolymerbeton vermeiden. “Es ist einfach kein Zement mehr drin. Das ist die Botschaft”, sagt De Vries. “Der Rest muss so weit wie möglich gleich bleiben: dieselbe Technik, derselbe Entwurf, dieselbe Montagefolge und dieselben Toleranzen. Wir dürfen nicht den Bauprozess ändern, sondern nur das Material.”

Technisch gesehen ist Geopolymerbeton zementfreier Beton. Sand, Kies, Wasser und Zusatzstoffe bleiben erkennbar, aber das Bindemittel ist ein anderes. Bei MBS wird der Zement durch gemahlene Hochofenschlacke ersetzt, die mit einer alkalischen Flüssigkeit aktiviert wird. Durch Geopolymerisation entsteht erneut ein hartes, steinartiges Material. Laut MBS sind Festigkeit, Maßhaltigkeit, Verarbeitbarkeit sowie die Eigenschaften in Bezug auf Brandschutz, Schallschutz und Nachhaltigkeit mit denen von Zementbeton vergleichbar. Der große Unterschied liegt in der Umweltbelastung: Da auf Zement verzichtet wird, lassen sich die Umweltkosten um mehr als die Hälfte reduzieren und die CO₂-Emissionen deutlich senken.

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Festigkeit, Formbeständigkeit, Verarbeitbarkeit sowie die Eigenschaften in Bezug auf Brandschutz, Schallschutz und Nachhaltigkeit sind mit denen von Zementbeton vergleichbar. Der große Unterschied liegt in der Umweltbelastung.

Exklusivmeldung

Für De Vries ist das kein ’neues Denken um des neuen Denkens willen“. MBS experimentiert schon seit längerem mit zementfreien Varianten, doch mit der aktuellen Technologie arbeitet das Unternehmen seit Anfang 2023 ernsthaft an der Anwendung in vorgefertigten Bauelementen. Ende Februar 2024 erfolgte die erste Montage von tragenden Fassaden- und Wandelementen aus Geopolymerbeton bei einem Wohnbauprojekt von Heijmans in ’s-Gravenzande. Zwei Häuser in einer Viererreihe waren dabei die ersten ihrer Art.

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Der Anwendungsbereich ist vorerst bewusst begrenzt: Einfamilienhäuser.

Informationsstelle für Betoninnovationen

Der Anwendungsbereich ist vorerst bewusst begrenzt: freistehende Wohnhäuser, also Reihenhäuser, Doppelhaushälften und Einfamilienhäuser. Nicht, weil das Material nur für leichte Anwendungen geeignet sei, betont De Vries, sondern weil die Berechnungsregeln für zementfreien Beton noch nicht festgelegt sind. “Zertifizierung ist daher nicht der richtige Begriff”, sagt er. Die Gleichwertigkeit wird über das „Betoninnovatieloket“ nachgewiesen, speziell für Betonwände und -fassaden im freistehenden Wohnungsbau. Diese Stelle, die Teil des „Betonakkoord“ ist, sollte Innovationen beschleunigen. In diesem Fall, so De Vries, habe es genau das getan: Es lieferte die erforderlichen Unterlagen, mit denen ein Bauunternehmer bei der Gemeinde vorstellig werden kann.

Projekte umsetzen

Die Praxis nimmt mittlerweile ernsthaftere Züge an. Anfang dieses Jahres lieferte MBS für Nijhuis Bouw Fertigelemente aus Geopolymerbeton für rund zwanzig Wohnungen in Assen. Dabei zeigte sich der Kern der Sache: Entwurf und Ausführung blieben unverändert. Als kommende Projekte werden unter anderem Meppel und Hardenberg genannt. Dennoch bezeichnet De Vries den Zustrom noch als zu gering. Das Interesse ist da, aber der Aufpreis ist ein Hindernis. Nicht aus Angst vor dem Unbekannten, sondern eher aufgrund der nüchternen Realität des Wohnungsbaus: Bauunternehmer kalkulieren jedes Projekt genau durch. Darin liegt das klassische Innovationsparadoxon. Um den Mehrpreis abzubauen, muss MBS den Maßstab erhöhen, doch dafür sind Projekte erforderlich – die sich jedoch schwerer realisieren lassen, solange ein Mehrpreis besteht. Bei einem kürzlich abgehaltenen Kundentreffen legte MBS diesen Teufelskreis den Kunden offen dar. Nicht mit der Forderung, plötzlich alles umzustellen, sondern mit der Bitte, pro Kunde einige Projekte in Geopolymerbeton durchzuführen. Laut De Vries führt dies inzwischen zu konkreten Fortschritten.

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Bei MBS wird der Zement für Geopolymerbeton durch gemahlenen Hochofenschlacke ersetzt, der mit einer alkalischen Flüssigkeit aktiviert wird.

Betonlogik

Interessant ist laut De Vries auch der Vergleich mit dem Holzbau. “Dort wird ein höherer Preis oft leichter akzeptiert, gerade wegen des Nachhaltigkeitsanspruchs. Geopolymerbeton verlangt dieselbe Wertschätzung, behält aber die vertraute Betonlogik bei. Für Bauherren und Kommunen kann das ein wichtiges Argument sein: CO₂-Reduzierung ja, aber kein anderer Rohbau, keine neue Bauweise.” De Vries erwartet daher keine Revolution, sondern eine Reihe von Projekten, die die Ausnahme zur Regel machen. Strengere Nachhaltigkeitsanforderungen seitens der Behörden würden dabei helfen. Denn die Technik ist vorhanden, die Anlaufstelle hat ihre Arbeit getan und die ersten Rohbauten stehen. Jetzt muss der Markt das Material vor allem einsetzen. Oder, in der Sprache der Baubranche: nicht länger über zementfreien Beton reden, sondern ihn einfach anwenden.   

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