Der Bau eines Hotels auf dem Wasser erfordert eine andere Denkweise. Die Konstruktion muss zwar stabil und komfortabel sein, aber jedes zusätzliche Kilogramm zählt. Beim Bau eines neuen schwimmenden Hotels für die Kette Good Hotel, das derzeit in Sliedrecht entsteht und 2027 nach London geschleppt werden soll, dreht sich daher alles um clevere Gewichts- und Platzersparnisse.
Das Hotel wird auf einem außergewöhnlichen Fundament errichtet: einem Betonblock von nicht weniger als 100 Metern Länge, 18 Metern Breite und 5 Metern Höhe. “Trotz seiner Größe schwimmt diese Konstruktion auf dem Wasser”, erklärt Anne van Drunen, Projektleiterin bei der Holland Shipyards Group. “Auf diesem schwimmenden Fundament errichten wir ein fünfstöckiges Hotel, das künftig einen prominenten Platz in den Royal Docks in London einnehmen wird.”

Für die Stahlkonstruktion, die Fußböden und die Dachplatten des neuen Hotels zeichnet Viets Harskamp verantwortlich. “Wir bauen Stockwerk für Stockwerk auf”, erklärt Montageleiter Han van Maanen. “Insgesamt verarbeiten wir etwa 260 Tonnen Stahl und rund 5.500 Quadratmeter ComFlor-Böden.” Gewichtsersparnis ist dabei das Zauberwort. “Deshalb hat man sich für 120 mm dicke ComFlor-75-Böden in Kombination mit speziellem Leichtbeton entschieden. Anstelle von herkömmlichem Kies enthält dieser Beton leichte Hydrokörner. Allein dadurch werden pro Etage etwa 50 Tonnen Gewicht eingespart.”
Neben der Gewichtsersparnis bietet ComFlor noch weitere Vorteile. “Dank des dünnen Bodenpakets werden tragende Festigkeit und Feuerwiderstand direkt miteinander kombiniert. Zudem lassen sich die Decken schnell verlegen und betonieren, wodurch der Bau zügig voranschreitet”, sagt Van Maanen. “Das verdanken wir auch dem Service des Deckenlieferanten Dutch Engineering. Das Unternehmen liefert schnell und hält sich stets an seine Vereinbarungen.”
Auch bei der Stahlkonstruktion wurde jedes Detail optimiert. “Sogar die Träger haben wir angepasst, um Gewicht einzusparen und optimal bauen zu können”, erklärt Van Maanen. “Wir haben ein Profil mit einem breiteren Oberflansch und einem schmaleren Unterflansch entwickelt. Darüber haben wir uns ernsthaft Gedanken gemacht. Es geht darum, so leicht wie möglich zu bauen.” Laut Van Drunen von der Holland Shipyards Group ist dieser Ansatz unerlässlich. “Ein Hotel an Land baut man anders als ein Hotel auf dem Wasser. Das Gebäude darf nicht zu schwer werden, sonst sinkt es zu tief ein. Deshalb müssen Konstruktion, Materialauswahl und Gewicht perfekt aufeinander abgestimmt sein.”

Der Bau des Hotels ist inzwischen bis zum obersten Stockwerk fortgeschritten. Als Nächstes folgen die Fassaden, die Fensterrahmen sowie der weitere Ausbau der Hotelzimmer und Gemeinschaftsräume. Sowohl für Viets Harskamp als auch für die Holland Shipyards Group ist das Projekt eine technische Meisterleistung. “Das ist kein einfaches Geschäftsgebäude. Man muss ständig vorausdenken: Wie baut man es auf, wie erreicht man mit dem Kran alle Stellen und wie hält man das Gewicht unter Kontrolle? Das macht dieses Projekt so besonders.”
Wenn alles nach Plan verläuft, wird das schwimmende Hotel Mitte 2027 fertiggestellt. Anschließend wird es mit Schleppern nach London transportiert, wo es neben einem bestehenden schwimmenden Hotel desselben Eigentümers liegen wird. Ein markantes Gebäude, das von einem schweren Betonfundament getragen wird, aber einen relativ leichten Aufbau hat. “Dieser Betonkörper ist eine bewusste Entscheidung, da er eine lange Lebensdauer von 100 Jahren hat und wartungsarm ist”, sagt Van Drunen. “Stahl muss alle paar Jahre aus dem Wasser geholt werden, um Inspektionen, Dickenmessungen und Konservierungsarbeiten durchzuführen. Bei Beton ist das nicht der Fall, und er kann an seinem endgültigen Bestimmungsort verbleiben.”