Das Projekt „IJburg-Brücken“ umfasst zwei Verkehrsbrücken in Stahl- und Betonkonstruktion, die das neue Wohnviertel Strandeiland mit Haveneiland und Centrumeiland in Amsterdam verbinden. Das belgische Unternehmen Iemants (Teil des multidisziplinären Bauunternehmens Smulders) sorgte durch eine optimale Zusammenarbeit mittels BIM dafür, dass diese besonderen Stahlkonstruktionen realisiert wurden.
Grimshaw Architects hat beide Brücken in Zusammenarbeit mit dem Architektur- und Ingenieurbüro Sweco entworfen. Aufgrund ihrer komplexen Formen und Konstruktion sind die Brücken ein schönes Beispiel für handwerkliches Können.

Rhino und Grasshopper wurden geschickt für die parametrische Planung eingesetzt. Mit dieser Software konnten die komplexen Formen effizient modelliert werden. Anschließend wurde das Modell über Tekla Live Link direkt in Tekla Structures übertragen. Steven Geerinckx, Projektingenieur bei Iemants: “Die Herausforderung bei diesem Projekt bestand darin, alle beteiligten Parteien auf einen Nenner zu bringen. Wir haben das Modell in der 3D-Konstruktionssoftware Tekla Structures ausgearbeitet, in der wir auch die komplexesten Formen modellieren konnten. Über unsere BIM-Plattform Trimble Connect konnten wir problemlos kommunizieren und Informationen austauschen. Da beide Systeme direkt miteinander verbunden sind, konnten wir Exporte erstellen, wobei alle relevanten Daten erhalten blieben.” Alle beteiligten Parteien erhielten so Zugriff auf aktuelle 3D-Modelle. Dies führte zu einer reibungslosen Zusammenarbeit zwischen Konstruktion, Fertigung und Montage.

Alle Mitarbeiter von Iemants können sich mit Trimble Connect ganz einfach in das 3D-Modell einloggen. Geerinckx: “Es überrascht mich manchmal, wie viele Kollegen das BIM-Modell nutzen. Zum Beispiel, um einen besseren Einblick zu erhalten als aus den 2D-Zeichnungen, die sie erhalten. Man denke beispielsweise an Schweißer und Monteure, die fehlende Maße nachmessen und anhand der Bilder aus dem 3D-Modell Arbeitspläne erstellen können. So sieht jeder genau, was beabsichtigt ist.” Die Vorteile dieses digitalen Ansatzes liegen auf der Hand: mehr Übersicht, eine bessere Zusammenarbeit und weniger Fehler bei der Ausführung.
Die Brücken sind dank der großen Stahlrohre echte Blickfänge. Sie haben einen Durchmesser von 610 mm und eine Wandstärke von 40 mm. Insgesamt wurden mehr als 2,3 km Rohr verwendet. Diese Rohre wurden von Kersten geliefert, dem Marktführer im Biegen und in der Herstellung von gebogenen Bauteilen aus Stahl und Aluminium. Martijn Rozemeijer, Category Sales Manager bei Kersten, erklärt: “Das Biegen dieser Rohre war für uns eine spannende Herausforderung. Eine wichtige Anforderung war, dass die Rohre eine schöne, fließende Krümmung ohne Einpressspuren erhalten sollten. Mit dem Induktionsbiegen konnten wir diese hochwertige Verarbeitung gewährleisten.”

Für die diagonalen Verbindungen mit jeweils unterschiedlichen Abmessungen und Winkeln hat Iemants die NC-Dateien verwendet. Jedes Rohr konnte anhand der exakten Schnittanweisungen aus dem BIM-Modell gefertigt werden. Dadurch verlief die Montage reibungslos, und das Endergebnis ist nun äußerst stabil.
Die Brücken wurden – was bemerkenswert ist – an Land statt über dem Wasser gebaut. Geerinckx: “Das war nur möglich, weil es sich zum Zeitpunkt des Brückenbaus um Neuland handelte und es noch keine Schifffahrtsroute gab.” Die Brücken wurden teils in Arendonk (Belgien) und teils in Vlissingen hergestellt. In Vlissingen wurden alle Teile zusammengesetzt und für den Transport mit einer schwimmenden Plattform nach Amsterdam vorbereitet. Mit SPMTs, selbstfahrenden Transportfahrzeugen zum Bewegen schwerer und großer Objekte, wurden die Brücken an ihren Bestimmungsort gefahren. Dies hat den Vorteil, dass der Einsatz von schwerem Gerät wie Kränen begrenzt blieb. Auch bei der weiteren Montage sind die Brücken vom Festland aus leichter erreichbar. All dies sorgt für effizienteres Arbeiten, geringere Kosten, weniger CO₂-Emissionen und somit eine geringere Belastung für die Umwelt.
Auch bei Kersten wurde dank der induktiven Biegetechnik nachhaltig gearbeitet. Rozemeijer erklärt: “Beim Kaltumformen von Stahl ist normalerweise immer eine Überlänge erforderlich. Jetzt konnten wir mit deutlich weniger Überlänge arbeiten, was eine erhebliche Menge an Abfall einspart und das Projekt nachhaltiger macht.”
Die Zusammenarbeit und die innovative Arbeitsweise haben zu einer ästhetischen und technischen Meisterleistung mit einem raffinierten Linienspiel geführt. Geerinckx: “Die IJburg-Brücken sind ein schönes Projekt, das die Menschen anspricht. Wir haben dieses Projekt bei den Construsoft BIM Awards eingereicht, um zu zeigen, was wir tagtäglich leisten und was man mit Tekla Structures und Trimble Connect alles realisieren kann.” Eine Teilnahme ist auf jeden Fall empfehlenswert, denn mit dieser Einreichung gewann Iemants 2025 den Award in der Kategorie Infrastrukturprojekte. Die Jury schreibt: ‘Ein absolutes Highlight: ein technisches und ästhetisches Meisterwerk, in dem parametrisches Design, digitale Handwerkskunst und perfekte Zusammenarbeit in einem beeindruckenden Brückenprojekt zusammenkommen.’.
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