Plattform zu Beton und Stahl im Bauwesen
Aufbau, wo er vorher nicht möglich war

Bauen, wo es vorher nicht möglich war

Die Art und Weise, wie wir in den Niederlanden bauen, ist im Wandel begriffen. Innovation, Flexibilität und eine intelligentere Raumnutzung stehen im Mittelpunkt der Suche nach zukunftssicheren Lösungen. In diesem Spielfeld gewinnt der Stahlrahmenbau rasch an Boden. Diese leichte und vielseitige Bauweise macht es möglich, dort zu bauen, wo es vorher nicht möglich war, und bietet viel Potenzial, vor allem bei Aufstockungen, aber auch im Geschäftssegment und beim Bau von Luxusvillen. Es spricht Roy van Hoorn, Vorsitzender der Plattform Stahlrahmenbau.

“Die erste Einführung in den Stahlrahmenbau geht auf das Jahr 2011 zurück”, sagt Van Hoorn, Mitbegründer von BAAS architects und ‘Botschafter’ des Stahlrahmenbaus in den Niederlanden. “Im gehobenen Privatsegment, wo die Häuser aufgrund von Hausautomation, integrierten Lautsprechern und intelligenten Klimasystemen in Bezug auf die Installationen immer komplexer werden, bietet das System buchstäblich Platz. Installationen lassen sich einfacher und effizienter durchführen als bei traditionellen Bauweisen. Zudem sind große Spannweiten, freie Auskragungen und minimale sichtbare Strukturen einfacher und oft auch wirtschaftlicher zu realisieren.” 

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Bauherren, Verarbeiter und Lieferanten befassen sich zunehmend mit den Möglichkeiten des Stahlrahmenbaus.

Mehr Gestaltungsfreiheit

Für Architekten bedeutet der Stahlrahmenbau also mehr Gestaltungsfreiheit, ohne Kompromisse bei der Machbarkeit einzugehen. Laut Van Hoorn ist die Bedingung, dass man alles selbst in der Hand behält: vom Entwurf bis zur Technik. “Gerade beim Stahlrahmenbau ist das unerlässlich. Nur dann wird das, was auf dem Papier erdacht wird, auch auf der Baustelle umgesetzt.” Im gewerblichen Bereich liegen die Chancen vor allem in der Aufstockung und im seriellen Bauen. “Hier kommt die Leichtigkeit des Stahlrahmenbaus zum Tragen. In Kombination mit warmgewalztem Stahl können bestehende Strukturen optimal genutzt oder durch eine neue Tragkonstruktion geschickt entlastet werden. Das macht das Bauen an bestehenden Gebäuden plötzlich ohne große Eingriffe möglich.”

Nicht ausgeschöpftes Potenzial

Eine der größten Chancen für den Stahlrahmenbau liegt auf den Dächern bestehender Gebäude. “In den Niederlanden gibt es eine riesige Fläche mit Flachdächern, die noch kaum genutzt werden”, erklärt Van Hoorn. “Die Stahlrahmenbauweise ermöglicht es, hier zusätzliche Wohngeschosse aufzusetzen. Im Gegensatz zu traditionellen Bauweisen wie dem Beton- oder sogar dem Holzrahmenbau, die in manchen Situationen zu schwer sind, bietet der Stahlrahmenbau einen Wendepunkt: mehr Tragfähigkeit bei weniger Gewicht. Das schafft neue Entwicklungsmöglichkeiten, vor allem in städtischen Gebieten, wo der Platz knapp ist.”

Missverständnisse und Akzeptanz

Ein hartnäckiges Missverständnis, so Van Hoorn, ist, dass die Stahlrahmenbauweise mit der Metallständerbauweise vergleichbar sei. “Das ist falsch”, betont er. “Obwohl beide Systeme kaltgeformten Stahl verwenden, hat die Stahlrahmenkonstruktion eine tragende Funktion. Es handelt sich um ein vollwertiges Konstruktionssystem. Glücklicherweise sehen wir, dass dieses Stigma abnimmt. Bauherren, Konstrukteure und Lieferanten befassen sich zunehmend mit den Möglichkeiten. Transparenz und Wissensaustausch bleiben hier wichtig. Von der Plattform Stahlrahmenbau aus tragen wir aktiv zu dieser Entwicklung bei, unter anderem durch Veranstaltungen und Wissenssessions, wie die jüngste NETwork-Session an der Technischen Universität in Eindhoven über die Möglichkeiten des Stahlrahmenbaus im Rahmen des Stadtumbaus.”

Komfort und Haltbarkeit

In puncto Komfort steht die Stahlrahmenbauweise der traditionellen Bauweise keineswegs nach, versichert Van Hoorn. “Die thermische Leistung ist ausgezeichnet. Manchmal muss man wegen der geringeren Masse etwas mehr auf den Schallschutz achten, aber bei einfachen und niedrigschwelligen Anwendungen ist das leicht zu erreichen. Schließlich liegt die Nachhaltigkeit zum Teil in der Möglichkeit der Vorfertigung und/oder in der Demontierbarkeit des Systems. Die Elemente könnten in einigen Anwendungen wiederverwendet werden. Darüber hinaus reduziert die Vorfertigung in 2D-Paneelen oder sogar 3D-Gebäudemodulen den Bauabfall und beschleunigt die Bauzeit, was sich auch positiv auf das nationale Thema Stickstoff auswirkt.”

Die Zukunft des Stahlrahmenbaus in den Niederlanden und in Europa sieht vielversprechend aus. “So wie einst Holzpfahlgründungen neue Baugebiete erschlossen haben, ermöglicht der Stahlrahmenbau die Wiederverwendung und Erweiterung bestehender Gebäude”, sagt Van Hoorn. “Mit den richtigen Partnern, der richtigen Aufmerksamkeit und dem richtigen Fachwissen haben wir es mit echtem Stahl zu tun.”   

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