Plattform zu Beton und Stahl im Bauwesen
Der blinde Fleck beim Stahlschutz
Inspektion und Messung des Zustands der Beschichtung an der Unterseite einer Eisenbahnbrücke.

Der blinde Fleck im Stahlschutz

Was die Branche noch nicht sieht, aber bereits geschieht

Die Stahlbauindustrie setzt auf Sicherheit. Spezifikationen, Normen, Inspektionen und Wartungspläne vermitteln den Eindruck von Kontrolle, doch hinter dieser Fassade der Beherrschung spielt sich etwas anderes ab. Beschichtungen versagen oft nicht sichtbar, sondern funktional. Die Barrierewirkung lässt nach, lange bevor Rost sichtbar wird. Und genau darin liegt der blinde Fleck der Branche: Wir schauen zwar hin, sehen aber nicht, was wirklich geschieht.

Der blinde Fleck im Stahlschutz 1
Messungen mit EIS auf einer Eisenbahnbrücke.

Reine Sichtprüfungen reichen nicht aus

Die Instandhaltung von Stahlkonstruktionen wird heutzutage noch weitgehend durch Sichtprüfungen gemäß ISO 4628, feste Wartungsintervalle und Budgetzyklen gesteuert. Dieses System funktioniert, allerdings erst im Nachhinein. Wenn der Schaden sichtbar wird, ist die Beschichtung oft bereits strukturell geschädigt, hat die Korrosion eingesetzt und reicht eine vorbeugende Instandsetzung nicht mehr aus. Was wir also sehen, ist nicht der Anfang des Problems, sondern dessen Folge.

Unsichtbare Abbauprozesse

Die Alterung von Beschichtungen beginnt viel früher, als man dies mit bloßem Auge erkennen kann. Dieser Prozess verläuft schrittweise: Die Mikroporosität nimmt zu, wodurch Wasser und Ionen leichter eindringen können. Gleichzeitig verändert sich die Haftung lokal, es bauen sich durch Temperaturschwankungen innere Spannungen auf und es kommt zu einer Zersetzung des Beschichtungsmaterials (Versprödung und Mikrorissbildung). Diese Veränderungen bleiben lange Zeit unsichtbar. Es gibt keine Blasenbildung oder Rost, aber die Schutzwirkung der Beschichtung ist bereits stark eingeschränkt. Gerade diese Phase, in der die Beschichtung noch gut aussieht, aber nicht mehr optimal funktioniert, bleibt heute oft unbemerkt.

Der blinde Fleck im Stahlschutz 2

Früherkennung mit EIS

Die elektrochemische Impedanzspektroskopie (EIS) macht verborgene Degradation hingegen sichtbar. Durch die Messung der elektrischen Impedanz (Widerstand bei Wechselstrom) des Beschichtungssystems liefert die EIS Aufschluss über den Grad der Barrierewirkung und den Ionentransport. Dadurch lässt sich objektiv feststellen, wie gut eine Beschichtung noch funktioniert und wie schnell sie sich weiter zersetzen wird. Dies bedeutet einen Wandel von Annahmen hin zu messbaren Leistungswerten. Auf internationaler Ebene wird diese Technik bereits häufig angewendet, lediglich Flandern und die Niederlande haben in diesem Bereich noch Nachholbedarf.

Ein neuer Ansatz in der Instandhaltung

Durch die Messbarkeit der Beschichtungsleistung verändert sich die Instandhaltung grundlegend. Sie erfolgt nicht mehr periodisch, pauschal und auf Annahmen basierend, sondern gezielt, lokal und datengestützt. Die Kombination mit selektiven Techniken wie der Laserreinigung sorgt für den echten Durchbruch. Wo traditionell ganze Systeme entfernt und neu aufgebaut werden, ermöglicht ein datengestützter Ansatz, genau jene Bereiche zu identifizieren, in denen die Beschichtung bereits jetzt oder in absehbarer Zeit versagt. Darüber hinaus lassen sich der Zustand und der Aushärtungsgrad (‘Curing’) einer neu aufgetragenen Beschichtung ebenfalls präzise vor Ort und zerstörungsfrei bestimmen.

Der blinde Fleck im Stahlschutz 3
Einbau von fest installierten EIS-Sensoren in einen Mast des PSV-Stadions.

Effizientere und zielgerichtete Genesung

Dieser Ansatz führt zu einer effizienteren Instandhaltung. Es werden nur die Bereiche behandelt, in denen tatsächlich eine Abnutzung auftritt, während intakte Teile erhalten bleiben. Neue Beschichtungssysteme können gezielt aufgetragen und anschließend erneut objektiv überprüft werden. Dies widerlegt traditionelle Annahmen: Eine vollständige Entfernung ist nicht immer notwendig, der Instandhaltungsbedarf ist nicht unbedingt sichtbar und eine größere Schichtdicke bedeutet nicht automatisch einen besseren Schutz.

Von den technischen Daten zur Leistung

Die Vorteile liegen auf der Hand: weniger Ausfallzeiten, geringere Kosten, geringerer Materialverbrauch und eine geringere Umweltbelastung, verbunden mit höherer und nachweisbarer Qualität. Wichtig ist der Wandel in der Denkweise. Die Instandhaltung wird vorausschauend statt reaktiv. Der Fokus verlagert sich von der Spezifikation hin zu einer garantierten, langfristigen Leistungsorientierung.

Obwohl die Technologie und das Wissen vorhanden sind, um den Zustand einer Beschichtung mithilfe von Sensortechnik aus der Ferne zu überwachen, arbeitet die Branche nach wie vor größtenteils nach traditionellen Modellen, die auf Ausführung und Sichtprüfung basieren. Der eigentliche Wandel liegt daher nicht nur in der Technik, sondern in der Denkweise. Solange wir uns auf das verlassen, was sichtbar ist, reagieren wir weiterhin erst im Nachhinein auf Schäden. Erst durch die Messung dessen, was heute tatsächlich geschieht, entsteht die Möglichkeit, proaktiv und zukunftsorientiert zu handeln. Das ist die wahre Stärke einer maßgeschneiderten Instandhaltung. Nicht mehr und nicht weniger.

Haben Sie Fragen zu diesem Artikel, Projekt oder Produkt?

Nehmen Sie rechtmäßigen Kontakt auf mit BJOND INNOVATION.

BJOND INNOVATION 6 Kontakt zu opnemen

Möchten Sie etwas über diesen Artikel, das Projekt oder das Produkt wissen?

"*" kennzeichnet Pflichtfelder

Dieses Feld dient der Validierung und sollte unverändert bleiben.
BJOND INNOVATION 7 Telefoonnummer +31 629 70 51 79 E-Mail-Adressen jvm@bjond.be Website bjond.be

Verwandte artikelen

"*" kennzeichnet Pflichtfelder

Dieses Feld dient der Validierung und sollte unverändert bleiben.

Senden Sie uns eine Nachricht

Wir setzen Cookies ein. Auf diese Weise analysieren wir die Nutzung der Website und verbreiten das Nutzungskonzept.

Einzelheiten

Können wir Ihnen dabei helfen?

Bekijk alle resultaten