[00:01] Einleitung – weniger Zement und CO₂-Emissionen
Roel van Gils: Willkommen zu einer neuen Folge von „Beton & Staalbouw“, dem Podcast. Beton ist in der bebauten Umwelt unverzichtbar, verursacht aber gleichzeitig einen erheblichen Teil der CO₂-Emissionen. Der größte Übeltäter? Zement? Oder speziell der Portlandklinker im Zement? Die Frage ist daher einfach, die Lösung aber alles andere als, denke ich. Wie kann man weniger Zement verwenden, ohne Abstriche bei Festigkeit, Dauerhaftigkeit, Verarbeitbarkeit und Zuverlässigkeit zu machen? Darüber sprechen wir heute mit vier Akteuren aus der Branche. Durch Zusammenarbeit können wir wirklich Fortschritte erzielen. An meinem Tisch sitzen also vier Gäste: Sigrid Mulders, Pierre Hendrikx, Gerard Roelofsen und Vincent van der Plas. Herzlich willkommen euch allen.
Sigrid Mulders: Danke.
[00:43] Vorstellungsrunde
Roel van Gils: Können wir uns kurz vorstellen? Möchte ich mit der Dame am Tisch beginnen?
Sigrid Mulders: Ich bin Sigrid Mulders. Eigentlich habe ich eine Ausbildung zur Holzkonstrukteurin absolviert, bin aber überraschenderweise über bautechnische Schäden schließlich in der Betonbranche gelandet. Bei meinem Arbeitgeber, Dura Vermeer, darf ich dazu beitragen, die Betonbranche nachhaltiger zu gestalten. Das tue ich zum einen in den Projekten, indem ich versuche, die „niedrig hängenden Früchte“ umzusetzen, und zum anderen in Pilotprojekten, um die „niedrig hängenden Früchte“ von morgen zu verwirklichen.
Roel van Gils: Sehen Sie mal.
Pierre Hendrikx: Ich bin Pierre Hendrikx. Ich arbeite seit gut einem Jahr bei ABT. Davor war ich acht Jahre lang bei BAM tätig. Dabei habe ich mich an den Grundgedanken meiner Fachhochschulausbildung gehalten: Bauen lernt man am besten direkt in der Praxis. Und da hatte ich eigentlich das Glück, dass der Betontechnologe zu diesem Zeitpunkt kurz vor der Pensionierung stand und seine Aufgaben weitergeben wollte. Das war kurz bevor der Hype um Nachhaltigkeit so richtig losging. So konnte ich mir zunächst die Grundlagen aneignen, und dann kam plötzlich das Thema Nachhaltigkeit ins Spiel. Es ist ein sehr interessantes Fachgebiet, diese Schnittstelle zwischen Bauwesen und Betontechnologie. Wenn man diese Verbindung herstellen kann, dann kenne ich auch die anderen Leute am Tisch gut.
Vincent van der Plas: Ich arbeite für Dyckerhoff Basal in der Region Südwest. Das mache ich nun seit anderthalb Jahren. Davor war ich Qualitätsleiter bei Martens Beton. Davor war ich Betontechnologe bei Struyk Verwo. Und davor habe ich zusammen mit zwei anderen Freunden vor allem viele Betonböden gegossen und hergestellt. Eigentlich habe ich schon mit sechzehn Jahren mit einer Kelle in der Hand angefangen. Ich komme also wirklich aus der Praxis.
Gerard Roelofsen: Ja, Gerard Roelofsen. Ich arbeite bei Sika, bekannt für seine Zusatzstoffe, und berate Unternehmen in technologischen Fragen. Nachhaltigkeit ist eines der Themen, die mich ebenfalls sehr beschäftigen. Es macht mir besonders Spaß, vor allem im Rahmen des weltweit tätigen Sika-Konzerns zu beobachten, wie der Rest der Welt damit umgeht. Jeder betrachtet das Thema auf seine eigene Weise. Daher ist es auch sehr interessant, von anderen Ländern zu lernen, was dort als „Best Practice“ gilt, und dann zu prüfen, wie wir das hier in den Niederlanden umsetzen können.
[03:00] Warum das Gespräch beim Zement beginnt
Roel van Gils: Okay, sehr gut. Vielen Dank. Nochmals herzlich willkommen, liebe Zuhörer. Die Debatte um Nachhaltigkeit ist in vollem Gange. Warum dreht sich diese Diskussion eigentlich immer um Zement?
Pierre Hendrikx: Seit der Einführung der LCA, der Lebenszyklusanalysen, erhalten wir Einblick in die Umweltauswirkungen der Rohstoffe in einem Kubikmeter Beton. Es wurde schon recht schnell deutlich, dass der Zementanteil – je nach Zementart mit leichten Schwankungen – zwischen 15 und 80 Prozent liegt. Und wenn man das dann einmal nach den Bestandteilen des Zements und den größten Auswirkungen aufschlüsselt, kommt man also zum Bindemittel.
Roel van Gils: Wie sehen denn die Lösungen aus? Das ist vielleicht gleich eine sehr weit gefasste Frage, aber wo fängt man an?
Pierre Hendrikx: Einer der Faktoren, der heute zweifellos zur Sprache kommen wird, ist der Wasser-Zement-Faktor. Das ist, glaube ich, das Stichwort, wenn wir über das Verhältnis zwischen Wasser und Zement sprechen. Und dann werden auch noch die anderen Qualitätsaspekte zur Sprache kommen. Ein Konstrukteur, der eine Empfehlung abgibt, gibt eine Betondruckfestigkeit und eine Umweltklasse an. Das ist eigentlich ein Ansatz, der von einer Untergrenze ausgeht. Das ist, was ihm die Norm vorschreibt, was sicher ist und was dafür sorgt, dass sein Beton 50 Jahre hält.
Roel van Gils: Und diese Norm gibt es, glaube ich, schon sehr lange.
Pierre Hendrikx: Ja. Die VB 74 ist, wenn ich mich recht erinnere, eines der ersten schriftlichen Werke in den Niederlanden zum Thema Betonzusammensetzung. Wenn man nicht weiß, wie sich bestimmte Faktoren auf die Betonzusammensetzung auswirken, wird es sozusagen auch schwierig, die Dauerhaftigkeit im Auge zu behalten. Das fehlt also hin und wieder noch ein wenig. Mein Appell lautet daher: Setzen Sie sich einfach einmal eingehend damit auseinander, was in einer solchen Betonzusammensetzung enthalten ist.
Roel van Gils: Und an wen richtet sich dieser Aufruf eigentlich?
Pierre Hendrikx: Zunächst einmal an die Bauunternehmer. Seien Sie sich bewusst, dass das, was Sie angeben, als Untergrenze betrachtet wird. Trage die Druckfestigkeitsklasse und die Umweltklasse auf den Lieferschein ein, denn so kann die Ausführung überprüft werden. Dass er eine Zusammensetzung abfragt, dass auf dem Lieferschein ein C20/25 XD3 mit 50 Prozent Portlandzementanteil im Winter als Ersatz vermerkt ist. Und dass er dann vielleicht eine Druckfestigkeit von 80 N pro Quadratmillimeter nach 28 Tagen hat. Darüber hört man nichts, denn auf dem Lieferschein stand ja C20/25 XD3. Beschäftigen Sie sich also ein wenig damit, welchen Einfluss Ihre Entwurfs- und Ausführungsentscheidungen auf Ihre Betonzusammensetzung haben.
[05:35] Der Einfluss von Gestaltungsentscheidungen
Roel van Gils: Dann eröffnet sich dir eine ganz neue Welt. Andere Parteien, wie seht ihr das?
Sigrid Mulders: Da stimme ich zu. Ich sage immer: Bauunternehmer haben Gold in den Händen. Sie haben die Möglichkeit, Informationen weiterzugeben, und das wird einfach befolgt. Ich finde ohnehin, dass Bauingenieure kritisch sein dürfen, wenn es darum geht, welche Umweltklasse und welche Festigkeitsklassen sie festlegen. Das ist auch ein schönes Beispiel dafür, was ihr meiner Meinung nach bei Basal mit KJ-Plein gemacht habt: dass ihr euch sehr bewusst seid, welche Festigkeitsklassen wo genau erforderlich sind. Wenn man im obersten Stockwerk brav kopiert hat, was einst im Keller erforderlich war – glücklicherweise kommt das immer seltener vor –, dann hat der Statiker eigentlich die Macht zu sagen: Hier brauchen wir diese Festigkeit nicht mehr. Oder bei diesen Wänden benötigen wir eine andere Festigkeit als bei den Decken. Dann kann der Boden eine andere Belastbarkeit aufweisen. Man muss also die Festigkeit und die Umweltklasse kritisch prüfen, denn das führt letztendlich auch zu bestimmten Anforderungen an die Betonmischanlage. Außerdem hast du die Möglichkeit, solche Nachhaltigkeitsdaten in Zeichnungen einzutragen, sodass du angeben kannst: Das ist ein Fundamentstreifen, der problemlos mit CEM III/B auskommt. Oder dass dieser viel mehr Zeit benötigt, um seine Festigkeit zu erreichen. Er muss nicht schon morgen wieder belastet oder entschalt werden.
Roel van Gils: Ja, okay. Das sind also Lösungen, die dazu beitragen.
Sigrid Mulders: Die Verbesserung der Nachhaltigkeit von Beton besteht zum Teil darin, den Klinkeranteil zu senken. Manchmal kann man mehr Zement verwenden und dennoch eine nachhaltigere oder CO₂-ärmere Mischung erhalten.
Roel van Gils: Woran liegt das denn?
Sigrid Mulders: Es gibt mehr als 35 Zementsorten.
Roel van Gils: Ach so. Dass du einen anderen Zement verwendest.
Sigrid Mulders: Ja. Wenn man es zum Beispiel schafft, einen CEM VI herzustellen – du lachst, aber ja, wir denken gerade auch darüber im Rahmen eines Projekts bei Rotterdam nach –, dann kann man mit einem anderen Zement arbeiten, einer anderen Zusammensetzung. Dann kannst du Klinker, Schlacke und Kalksteinmehl oder recycelte Betonfeinstoffe in Betracht ziehen, wie es beispielsweise Everox tut. Dann hast du vielleicht mehr Zement verwendet, nur so nebenbei, aber dafür weniger Klinker. Und letztendlich ist die Umweltbelastung dann geringer als bei einem herkömmlichen CEM I.
Roel van Gils: Okay. Das sind natürlich tolle Entwicklungen. Man hat also verschiedene Parameter, verschiedene Regler, an denen man drehen kann, um die richtige Zusammensetzung zu finden.
Sigrid Mulders: Aber dann müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Wenn man nur das Bindemittel wechselt, aber weder erhitzt noch andere Hilfsstoffe verwendet, ist man noch nicht am Ziel. Es kommt wirklich auf die Kombination an.
[08:19] Verarbeitbarkeit und Rahmenbedingungen
Roel van Gils: Dann entsteht vielleicht auch ein anderes Problem. Ich weiß nicht, ob das ein Problem ist, aber es geht um die Verarbeitbarkeit. Das muss natürlich ebenfalls berücksichtigt werden.
Vincent van der Plas: Ja, natürlich wird die Verarbeitbarkeit berücksichtigt. Sehen Sie, es ist so, wie Sigrid sagt: Es ist wichtig, zu Beginn des Projekts vor allem gemeinsam die Anforderungen zu prüfen. Wann benötigt der Bauunternehmer also welche Festigkeit? Hat er dafür mehr Zeit? Kann man den Beton mit verzögerter Aushärtung liefern? Besteht die Gefahr der Erwärmung oder nicht? Dann wäre III/B möglich. Ist es Winter, muss etwas Portlandzement beigemischt werden. Wenn jedoch die Möglichkeit einer Beheizung besteht, könnte man beispielsweise bereits auf reinen Hochofenzement umsteigen. Es ist wichtig, sich zu Beginn gemeinsam darüber zu verständigen, welche Anforderungen bestehen und was der Betonlieferant selbst dazu beitragen kann. Denn wenn dieser nicht zu diesem ersten Gespräch eingeladen wird, wird auch wenig für die Nachhaltigkeit getan, da man dann einfach die Standardrezeptur liefert. Als Betonlieferant kann man nicht einfach ohne Absprache sagen: „Ich liefere den gesamten Beton ausschließlich mit Hochofenzement.“ Das hat natürlich Konsequenzen bei der Ausführung. Das muss gemeinsam vereinbart werden.
[09:43] Der Betonlieferant fragte am Tisch
Roel van Gils: Und kommt das oft vor, dass ihr sozusagen zusammen sitzt? In so einer Dreieckskonstellation? Oder eigentlich viel zu selten?
Vincent van der Plas: Das kommt durchaus vor. Ich habe jede Woche mehrere Besprechungen mit einer ganzen Reihe von Bauunternehmern, vor allem natürlich mit Sigrid, aber auch mit anderen Bauunternehmern. Wir werden also glücklicherweise öfter eingeladen.
Pierre Hendrikx: Ich möchte da kurz darauf eingehen. Ihr kommt oft an den Verhandlungstisch, aber meiner Meinung nach oft viel zu spät. Das wird meiner Ansicht nach auch durch den Markt bestätigt. Das hängt unter anderem mit den Vertragsstrukturen zusammen. Ein Bauunternehmer darf erst nach der Auftragsvergabe an den Verhandlungstisch kommen – oder vorher als Berater. Aber die meisten Bauunternehmer kommen nicht als Berater an den Verhandlungstisch. Man kann sich im Vorfeld von einem Partner oder Betonlieferanten beraten lassen, aber das ist keine Garantie dafür, dass der Bauunternehmer mit dem erfolgreichen Angebot auch mit diesem Lieferanten verhandelt. Denn damit sind wiederum Verträge verbunden.
Roel van Gils: Oder vielleicht zu Beginn des Projekts?
Pierre Hendrikx: Ja, das hängt ein wenig von der Größe des Bauunternehmens und dem Umfang des Projekts ab. Und von den Zielen. Aber ich habe schon oft erlebt, dass zwei, drei Wochen vor dem Betonieren noch die Entscheidung getroffen werden musste: Wir mussten noch etwas an der Betonzusammensetzung ändern.
Gerard Roelofsen: Und das gilt für uns als Lieferant von Hilfsstoffen erst recht. Meistens werden wir ein oder zwei Tage im Voraus angerufen: „Ich habe Probleme, könntest du die bitte schnell lösen?“ Also zaubere einfach ein bisschen, dann bekommst du das schon wieder hin.
[11:10] Technisch gesehen ist noch mehr möglich
Roel van Gils: Technisch gesehen ist jedoch viel mehr möglich, als derzeit umgesetzt wird.
Sigrid Mulders: Auf jeden Fall.
Roel van Gils: Was steht dem dann noch im Wege?
Sigrid Mulders: Wie ich gerade gesagt habe: Wir brauchen auch Pilotprojekte, damit die Menschen erkennen, warum bestimmte Schritte notwendig oder sinnvoll sind. Bei manchen Hilfsstoffen ist das alles etwas logischer und besser verständlich, aber andere Hilfsstoffe brauchen meiner Meinung nach noch etwas mehr Sichtbarkeit.
Gerard Roelofsen: Beim Thema Nachhaltigkeit muss man natürlich – abgesehen von der CO₂-Reduzierung – auch berücksichtigen, wie lange etwas hält. Wenn man sich England ansieht, ist es dort ganz üblich, Abdichtungsmittel einzusetzen. Dort wird das standardmäßig vorgeschrieben. In den Niederlanden muss man fast schon darum kämpfen, dass diesem Thema Beachtung geschenkt wird. Das ist eine Tatsache.
Roel van Gils: Aber gehen sie auch unterschiedlich mit Nachhaltigkeitsstandards um? Oder sind die Niederlande in dieser Hinsicht führend?
Gerard Roelofsen: Ich stelle international auf jeden Fall fest, dass die Niederlande in Sachen Nachhaltigkeit wirklich eine Vorreiterrolle einnehmen. Was die CO₂-Menge pro Kubikmeter angeht, liegen wir wirklich weit vorne. Wenn man das meinen Kollegen bei Sika erzählt, sieht man, wie die Leute diese Zahlen mit großen Augen betrachten.
Pierre Hendrikx: Ja, das belegen auch die Zahlen. Weltweit macht die Zementproduktion acht Prozent der CO₂-Belastung aus, hier in den Niederlanden drei bis vier Prozent.
Roel van Gils: Und das liegt an diesen Entwicklungen?
Pierre Hendrikx: Nein. Der Hauptgrund ist, dass wir – und manche Leute hören das vielleicht nicht gerne – das Glück haben, Tata Steel und das von ihnen gelieferte Nebenprodukt namens Hochofenschlacke zu haben. Nicht zu verwechseln mit LD-Schlacken. Diese Frage wird mir jetzt jedes Mal gestellt: Werden diese LD-Schlacken auch in Beton verwendet? Die Hochofenschlacken, die wir im Beton verwenden, sind die Schlacken, die relativ früh im Prozess anfallen. Die LD-Schlacken sind die Schlacken, die erst gegen Ende des Prozesses anfallen.
Sigrid Mulders: Die Schlacken, die wir regelmäßig bei der Zementherstellung verwenden, enthalten kaum Schadstoffe. Sie sind für den Einsatz in Betonprodukten absolut unbedenklich und lassen sich wirklich nicht mit Stahlschlacken vergleichen.
Pierre Hendrikx: Meiner Meinung nach – wenn ich mich recht erinnere – hat das damit zu tun, dass bei der Produktion in Hochöfen Koks und Kohle zum Einsatz kommen und dieser Anteil im Restprodukt reiner ist als die LD-Schlacken. Die LD-Schlacken sind das steinartige Material, das übrig bleibt, wenn das gesamte Eisen herausgewonnen wurde. Darin sind also noch viele Schwermetalle enthalten.
Roel van Gils: Ja.
[13:51] Normen und aufgeschobene Asphaltierung
Roel van Gils: Wenn wir über die Regeln und Normen sprechen: Entsprechen diese noch dem, was derzeit möglich ist?
Vincent van der Plas: Ich finde zum Beispiel, dass in der CUR-Empfehlung 122 bei verzögerter Aushärtung von einem Faktor kₜ die Rede ist. Und da kommt der Rüsch-Effekt ins Spiel. Den muss man bei der Betonrezeptur berücksichtigen. Bei höheren Festigkeiten muss man diesen Faktor kₜ einhalten, weshalb ich eigentlich mehr Zement in meine Betonrezeptur einbringen werde, um CUR 122 zu erfüllen. Ich finde, dass es in den Normen Passagen gibt, die etwas zu konservativ sind. Denn man kann auch anhand von Würfeldruckfestigkeiten oder Bohrkernen nachweisen, dass etwas die vom Konstrukteur vorgesehene Festigkeit erfüllt.
Roel van Gils: Aber ist es natürlich nicht gefährlich, das im Nachhinein nachzuweisen?
Sigrid Mulders: Eigentlich überhaupt nicht. Denn man schaut erst im Nachhinein, was tatsächlich eingezahlt wurde.
Roel van Gils: Ja.
Sigrid Mulders: Man hat also das Produkt, so wie es hergestellt wurde, und überprüft es. So hat man viel mehr Gewissheit darüber, was darin verarbeitet wurde. Ich würde es also gerade als Kontrollinstrument betrachten. Und das macht man auf eine Weise, die bereits in der Norm festgelegt ist. Denn wenn man eine Situation hat, in der man Zweifel hat, ob das Produkt die richtige Festigkeit erreicht hat, gibt es dafür auch Methoden. Dieselbe Methode kann man auch hier anwenden. Mit einer sogenannten Dauerfestigkeit – oder wie auch immer man es nennen mag – kann man also eine andere Mischung mit deutlich geringerer Aufprallenergie verwenden, während man dennoch die Garantie hat, dass die gleiche Festigkeit erreicht wurde. Oder zumindest die gleiche Festigkeit.
Vincent van der Plas: Wir haben all diese Rezepturen zwar im Vorfeld getestet und verfügen über die entsprechenden Ergebnisse. Aber da man bei den charakteristischen Werten höher liegen muss, also mit einer Standardabweichung…
Roel van Gils: Ja. Und ich bin gespannt, was du davon hältst.
Vincent van der Plas: Ja, ich auch.
[15:53] Zusammenhang zwischen Betonvorschriften
Pierre Hendrikx: Die Schwierigkeit liegt ein wenig im gesamten Zusammenhang zwischen den Normen. Konstrukteure betrachten Beton aus der Perspektive des Eurocodes 2. Ein Betontechnologe betrachtet Beton aus der Perspektive der Normen NEN-EN 206 und NEN 8005. Die Bauausführung betrachtet Beton aus der Perspektive der Normen NEN-EN 13670 und NEN 8670. Wenn wir schon mit Normen um uns werfen: Es gibt eine ganze Reihe davon.
Roel van Gils: Ja, genau. Es sind nur ein paar.
Pierre Hendrikx: Wenn wir in den Niederlanden einen Zement einsetzen, gehen wir davon aus, dass dieser universell einsetzbar ist. Das bedeutet also: Ob es sich bei unserem Bauwerk nun um einen großen Brückenpfeiler in einem Küstenschutzwerk, um eine Parkhausdecke oder um einen Wohnbau-Boden handelt – der Zement ist für alle Anwendungen gleich. Da steckt auch noch etwas drin, worüber ich sage: Die Vorschriften könnten meiner Meinung nach ruhig ein wenig auf den Prüfstand gestellt werden. Was mich zum Beispiel sehr wundert, ist, dass es im Eurocode 2 eine Tabelle gibt, die einen maximalen Wasser-Zement-Faktor mit einem Mindestzementgehalt verknüpft. Nur steht in dieser Norm anschließend nicht dabei, für welchen Zementtyp das gilt, da wir generische Zemente verwenden. Dabei weiß doch jeder, dass ein CEM III bei der Frostbeständigkeit schlechter abschneidet als ein Portlandzement, bei der Chloridmigration aber zum Beispiel viel besser. Da denke ich mir: Wenn wir uns solche Rahmenbedingungen einmal genauer ansehen und sagen: Ich habe hier eine Konstruktion im Freien, auf die Streusalz gestreut wird und die mit Frost-Tau-Salz zu kämpfen hat. Nehmen wir zum Beispiel den Boden eines Parkhauses. Dieser kommt nicht selten kaum mit echtem Frost in Berührung – beispielsweise unterhalb der Erdoberfläche –, wohl aber mit Auftausalzen, die von den Rädern mitgebracht werden. Wenn wir dort nun vorschreiben, dass ein Hochofenbeton verwendet wird, senken wir unsere Umweltbelastung noch ein wenig weiter. Außerdem: Wir sorgen für eine Betonleistung, die besser zur tatsächlichen Belastung passt, der er ausgesetzt sein wird. Diese Chloridmigration – das müssen wir wirklich strukturierter betrachten: Was sind nun die Vorteile eines solchen Zements und was bedeutet das für meine Nachhaltigkeit? Dann muss ich mich nach etwas anderem umsehen.
[18:03] Beton als spezifisches Produkt
Pierre Hendrikx: Sie haben gerade das Dreieck erwähnt: den Konstrukteur, den Betontechnologen und den Bauunternehmer. Meiner Meinung nach sollte jeder Konstrukteur seinen eigenen Entwurf im Hinterkopf behalten und ableiten, was das für die Ausführung und damit für die Betonzusammensetzung bedeutet. Und wenn er sich für eine nachhaltige Betonzusammensetzung entscheidet, sollte er berücksichtigen, welche Auswirkungen dies auf die Ausführung hat. Denn wenn er so vorgeht wie bisher, bekommt er das, was er bisher bekommen hat. So kommen wir nicht voran.
Sigrid Mulders: Ich möchte kurz darauf eingehen, denn ich finde, dass dieser Gedanke – Beton nicht mehr als generisches, sondern als spezifisches Produkt zu betrachten – wirklich eine großartige Chance bietet, mit Zusatzstoffen zu arbeiten. Denn dann orientiert man sich viel stärker an der Leistungsfähigkeit des Betons und kann so eigentlich den richtigen Beton am richtigen Ort einsetzen.
Gerard Roelofsen: Ja. Und nicht jeder Zusatzstoff wirkt bei dem einen Zement genauso gut wie bei einem anderen. Wir als Zusatzstofflieferant verfügen über ganze Tabellen dazu: welcher Zusatzstoff bei dem einen oder anderen Zement besser oder weniger gut wirkt. So kann man viel zielgerichteter ein bestimmtes Ergebnis erzielen. Möchten Sie eine etwas längere Verarbeitungszeit? Oder möchten Sie lieber etwas mehr Festigkeit?
Roel van Gils: Luftblasenbildner.
Gerard Roelofsen: Luftblasenbildner, ja.
[19:10] Zusatzstoffe, Füllstoffe und Wasser-Zement-Verhältnis
Roel van Gils: Wenn Sie also sagen: Ohne Hilfsstoffe wird es schwierig, die CO₂-Emissionen zu senken?
Gerard Roelofsen: Wenn man den Wasser-Zement-Faktor senken will, kommt man nicht ohne aus. Ohne das geht es nicht. Das bringt wiederum andere Probleme mit sich, je nachdem, wie die Zusammensetzung des Betons ist. Vor allem jetzt mit all den neuen Füllstoffen, Zuschlagstoffen und Sanden. Eines ist noch exotischer als das andere. Damit gehen wiederum spezifische Probleme oder Herausforderungen einher.
Roel van Gils: Aber dafür sind sie ja da, um sie zu lösen.
Gerard Roelofsen: Ja, die lassen sich sicherlich lösen. Aber ich glaube, dass wir da noch viel mehr herausholen können.
Roel van Gils: Wie siehst du das, Pierre?
Pierre Hendrikx: Da stimme ich voll und ganz zu. Ich bin froh, dass du jetzt kurz zwischen Zusatzstoffen und Füllstoffen unterscheidest. Man kann die CO₂-Emissionen zwar auch ohne Zusatzstoffe senken, aber eben nur, wenn man den Wasser-Zement-Faktor einhält … Der Begriff sagt es schon: Wasser-Zement-Faktor oder Wasser-Bindemittel-Faktor. Viele Füllstoffe darf man nicht zu den Bindemitteln zählen. Man darf sie also zwar hinzufügen, muss aber letztendlich doch ein Bindemittel gegenüberstellen, um die Festigkeitsanforderungen nachweislich zu erfüllen. Die Optimierung der Kornanordnung ist zum Beispiel ein Bereich, in dem wir vor vielleicht zwanzig Jahren noch relativ wenig ausrichten konnten. Aber heutzutage, mit den Computern, den Möglichkeiten und vor allem den Modellen, die wir digital simulieren können, könnten wir hier durchaus noch einen Schritt weiterkommen.
Roel van Gils: Ja.
Gerard Roelofsen: Und dann braucht man auch noch ziemlich viel Hilfsstoff. Wenn man eine sehr dichte Masse hat, wird sie ziemlich zäh. Dann ist die Verarbeitbarkeit nicht gerade…
Pierre Hendrikx: Nein. Es gibt Unternehmen, die in der Vergangenheit Beton mit 100 Kilogramm Bindemitteln hergestellt und diesen verarbeitbar gemacht haben. Aber die Zeiten, in denen Fußböden in S2 gegossen wurden, liegen schon lange hinter uns. Ich denke, F4 und F5 sind eher die Norm als S2.
[21:17] Starke Mischungen und präzise Dosierung
Vincent van der Plas: Ein gutes Beispiel: Bei RottaNovaC55/67 haben wir reines CEM III/B in F5 und mit einem wcf von 0,38 geliefert. Daher habe ich damals häufig auf Ihre Zusatzstoffe zurückgegriffen.
Gerard Roelofsen: Ja, vielen Dank dafür.
Vincent van der Plas: Ja, das haben wir auf jeden Fall gebraucht.
Gerard Roelofsen: Und da muss man schon sagen, dass im Bereich der Hilfsstoffe derzeit auch sehr viel passiert. Es kommen sehr viele neue Polymertypen hinzu, die alle noch eine Stufe stärker wirken.
Roel van Gils: Macht das die Sache nicht nur noch komplexer?
Gerard Roelofsen: Ja. Man kann zwar mehr tun, aber man muss schon besser wissen, was man tut.
Pierre Hendrikx: Ein Weichmacher hinzuzufügen ist zwar schön und gut, aber wenn man nicht genug Pulver beigemischt hat, um die Stabilität zu gewährleisten, wird man ziemlich schnell feststellen, dass die Masse durchfällt und sich entmischt. Und welche Art von Pulver? Denn es gibt welche, die anfangs sehr gut halten und nach einer Viertelstunde alles wieder loslassen.
Gerard Roelofsen: Und ein Punkt, auf den wir immer wieder stoßen, ist, dass nicht jeder – vor allem, wenn man stärkere Hilfsstoffe einsetzt – seine Dosierung wirklich im Griff hat. Es gibt einfach noch Fabriken, die, um es mal so zu sagen, etwas weniger modern sind. Da muss wirklich etwas modernisiert werden. Sonst werden wir das Problem auch mit diesen starken Hilfsstoffen nicht lösen können.
Roel van Gils: Muss das nicht ohnehin geschehen? Müssen auch die Kraftwerke einen Wandel vollziehen?
Gerard Roelofsen: Ja. Vom Kraftwerksbetreiber über den Zulieferer von Hilfsstoffen bis hin zum Anlagenbauer: Wir müssen zusammenarbeiten, sonst funktioniert es nicht. Und wir müssen auch Verständnis für die Herausforderungen des jeweils anderen aufbringen.
Pierre Hendrikx: Ganz sicher. Und man sollte sich nicht der Illusion hingeben, dass etwas Neues per se etwas Besseres ist oder dass es jedes Mal einfacher, unkomplizierter und billiger wird.
Sigrid Mulders: Ich denke sogar eher umgekehrt. Wenn man bedenkt, wie viele Möglichkeiten es gibt, sein Produkt zu optimieren, braucht man dafür Fachleute. Es ist ein komplexes Fachgebiet, und wir brauchen wirklich Leute, die wissen, was sie tun.
Gerard Roelofsen: Ja, und das ist tatsächlich ein Problem. Wenn man den Zuwachs im Vergleich zum Bedarf betrachtet, dann haben wir eigentlich schon jetzt einen Mangel.
Roel van Gils: Und es muss noch so viel gebaut werden.
Gerard Roelofsen: Ja, und am liebsten nachhaltig.
[23:54] Nachhaltigkeit in verschiedenen Branchen
Roel van Gils: Am liebsten nachhaltig, das versteht sich von selbst. Aber gut, ihr seid ja hier, und gemeinsam könnt ihr diesen Wandel doch bewirken, oder?
Vincent van der Plas: Vieles klappt schon.
Roel van Gils: Aber diese Botschaft muss stärker verbreitet werden?
Vincent van der Plas: Ich denke, das ist von Branche zu Branche ganz unterschiedlich. Bei einem sehr großen Projekt gelten strengere Nachhaltigkeitsanforderungen als bei Bodenlegern. Die wollen einfach nur einen schönen Boden verlegen und schnell wieder nach Hause kommen. Sie haben ganz andere Interessen als bei einem großen Wohnhochhaus. Bei den etwas kleineren Projekten wird darauf nicht so sehr geachtet. Ich glaube, wenn wir alle weiterhin gemeinsam am Tisch sitzen bleiben, ist wirklich sehr viel möglich.
Gerard Roelofsen: Ja, vor allem weiter im Gespräch bleiben. Das sieht man auch schon bei diesen Bodenbelägen. Wir liefern neben Zusatzstoffen zum Beispiel auch viele Bodenbeschichtungen. In einem Parkhaus ist das Erste, was meine Kollegen tun: Sie suchen alle Risse und dichten diese zunächst ab. Auch das trägt zur Nachhaltigkeit bei. Es hört nicht bei den Hilfsstoffen auf; es geht auch um die Kombination von Beton mit einer solchen Beschichtung, um das Eindringen von Chlorid zu verringern oder abzuschirmen. Zum Beispiel Deckkraftverbesserer – solche Techniken gibt es reichlich. Und auch in der Welt der Beschichtungen selbst sieht man wieder eine zunehmende Nachhaltigkeit. Das alles geht weiter. Man sieht oft, dass meine Kollegen mit Vertretern von Bodenbelagsunternehmen am Tisch sitzen, aber dann reden sie hauptsächlich über Beschichtungen. Ganz selten haben wir gemeinsam einen Boden in Hilversum verlegt. Dort wurde etwas ganzheitlicher darüber gesprochen, wie wir diese Rissbildung verhindern können. Was können wir dort im Beton tun? Dafür gibt es sehr gute Lösungen. Der Beton hat zwar seinen Preis, aber das macht sich wieder bezahlt, da man diese Risse nicht injizieren muss. Darin liegt also wieder ein großer Vorteil. Es gibt noch viel zu gewinnen.
[26:22] Pilotprojekte und Wissensaustausch
Sigrid Mulders: Du hast gerade von dieser Zusammenarbeit gesprochen, und Vincent hat das auch erwähnt. Bei größeren Projekten hat man oft etwas mehr Spielraum, Dinge umzusetzen. Wir versuchen daher auch, Pilotprojekte in Angriff zu nehmen. Gerade bei größeren Projekten versuchen wir, Pilotprojekte durchzuführen, damit dort Vertrauen, Erfahrung und vor allem der Aufbau von Wissen stattfinden. Das versuchen wir dann zu übernehmen und stärker zu etablieren, damit Akteure, die keine Möglichkeit für solche Großprojekte haben, oder Anbieter, die weniger isoliert arbeiten, dies dennoch in ihrer Entwicklung und Produktion berücksichtigen und Veränderungen umsetzen können. Aber es ist genau so, wie du sagst: Das muss man wirklich gemeinsam tun. Das ist unglaublich wichtig. Ich meine damit nicht nur, dass Teams innerhalb von Unternehmen miteinander ins Gespräch kommen und sagen: Das müssen wir tun, das ist ein interessantes Pilotprojekt. Sondern gerade auch darüber hinaus. Wir sitzen hier jetzt mit diesen Leuten am Tisch, aber es gibt auch die Gemeinde und so viele andere Akteure, mit denen man manchmal ins Gespräch kommen und Informationen austauschen muss.
Roel van Gils: Es geht also eigentlich viel schneller, wenn man das früher weiß.
Sigrid Mulders: Ja. Aber mir geht es vor allem darum, dass man einander braucht, um das überhaupt zu verwirklichen. Nachhaltigkeit ist wirklich ein Mannschaftssport.
[27:39] Vertragsformen und frühzeitige Zusammenarbeit
Pierre Hendrikx: Man kann sich auch fragen, ob die in den Niederlanden am häufigsten verwendete Vertragsform für den Mannschaftssport geeignet ist. Sehr viele Bauaufträge werden noch nach dem UAV angeboten, also den traditionellen Leistungsbeschreibungen. Dabei gibt es eine sehr starke Trennung zwischen der Zeit vor und nach der Vergabe. Nach der Vergabe nimmt der Bauunternehmer Kontakt zu seinem Lieferanten auf, um diesen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit zu gehen. Wenn jedoch vor der Vergabe nichts schriftlich festgehalten wurde und der Bauunternehmer keine gute Verbindung zu diesem Betonwerk hat, ist es nicht selbstverständlich, dass dieser Schritt zur Verbesserung der Nachhaltigkeit noch unternommen wird. Bei PPP-Projekten oder einem zweistufigen Ansatz gibt es Vertragsformen, bei denen Bauunternehmer und Lieferanten viel früher an einen Tisch kommen.
Roel van Gils: Und dann stehen wir vor einer Herausforderung.
Pierre Hendrikx: Dann werden sie auch herausgefordert. Denn dann wird einfach im Vorfeld bei einer Kick-off-Sitzung gesagt: Das ist unser Ziel. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ihr seid alle gleichermaßen gefordert. Es gibt keine Hierarchie. Es gibt keine Trennwände. Ihr seid alle für das Endergebnis verantwortlich. Macht einfach das beste Gebäude daraus, das es werden kann.
[28:35] Praxistests und selbstheilender Beton
Roel van Gils: War das auch die Motivation für das Projekt, das du gerade erwähnt hast?
Vincent van der Plas: Ja. Bei RottaNova haben wir uns früher zusammengesetzt und geprüft, wie hoch die Emissionen wären, wenn wir ganz normalen Beton liefern würden, also mit einem Anteil an Portlandklinker. Wie groß der Unterschied wäre, wenn wir reinen III/B liefern würden, und welche Konsequenzen das für die Ausführung hätte. Wir sind schon ziemlich weit gekommen. Wir haben dort auch selbst zwei Betonsorten gegossen. Außerdem haben wir dort ein Pilotprojekt durchgeführt. In Kürze wollen wir vielleicht bei RottaNova mit CEM VI gießen. Ich denke, wir haben dort schon eine ganze Menge Daten gesammelt.
Sigrid Mulders: Das ist ja das Schöne daran. Wir haben gerade über bestimmte Zusatzstoffe gesprochen, die eine wasserreduzierende Wirkung haben, oder über einen Luftporenbildner. Aber auch diese selbstheilenden Zusatzstoffe können langfristig dafür sorgen, dass wir weniger Bewehrung benötigen. Dann haben wir den Beton vielleicht nicht vollständig nachhaltig gestaltet, aber das ist dennoch eine enorme CO₂-Reduzierung. Es geht darum, was man tut und welche Wirkung es hat. Dafür braucht man einander, und dafür braucht man diese Pilotprojekte, um das zu erleben.
Gerard Roelofsen: Vor allem im Bereich der selbstheilenden Materialien verfügen wir als Sika im Ausland über sehr viel Erfahrung. Man merkt, dass dies in den Niederlanden oft etwas schwerer anzukommen scheint.
Roel van Gils: Und warum?
Gerard Roelofsen: Das ist eine gute Frage. Ich habe keine Antwort darauf. Es gibt Leute, die das als Belastung empfinden. Sie betrachten es als etwas Zusätzliches und sagen: Ich halte das nicht für notwendig. Dann streichen sie es einfach. Man achtet auch ein wenig auf die Kosten, und das bleibt immer ein Thema.
Roel van Gils: Wenn man das jedoch langfristig durchrechnet, sieht die Sache natürlich ganz anders aus.
Gerard Roelofsen: Ja. Das hängt natürlich auch davon ab: Übernimmst du ein Gebäude, bei dem du lediglich den Beton gießen musst, oder bist du auch für die Instandhaltung zuständig? Wenn auch die Instandhaltung in deinen Aufgabenbereich fällt, denkst du schon ganz anders darüber.
Vincent van der Plas: Bei selbstheilenden Additiven wird oft nicht berücksichtigt, dass man damit auch noch die Lebensdauer verlängert.
Gerard Roelofsen: Auf jeden Fall.
Roel van Gils: Oder hängt das wieder vom jeweiligen Objekt ab?
Gerard Roelofsen: Wir verfügen über entsprechende Hilfsstoffe, für die wir auch Garantien geben können. Dabei sind Lebensdauererwartungen von 50 oder 75 Jahren möglich. Natürlich gibt es dafür bestimmte Voraussetzungen, aber es ist möglich. Die Frage ist natürlich: Wenn man über einen Zeitraum von 50 Jahren hinausblickt, denken die meisten: Das ist mir eigentlich egal. Das merkt man schon.
Roel van Gils: Oder?
Gerard Roelofsen: Leider.
[31:25] Nachhaltigkeitsziele des Bauunternehmers
Roel van Gils: Was ist für Bauunternehmer bei dieser ganzen Nachhaltigkeitsherausforderung eigentlich das Wichtigste?
Sigrid Mulders: Mit „Op naar Net Zero“ verfolgen wir ein sehr ehrgeiziges Nachhaltigkeitsziel. Es ist uns sehr wichtig, dass wir unsere Rolle wahrnehmen und dabei eine Vorbild- und Vorreiterfunktion übernehmen sowie anderen weiterhelfen. Das können wir einfach nicht alleine schaffen. Wir brauchen einander, um unsere eigenen Ziele zu erreichen. Eigentlich wollen wir bis 2050 vollständig CO₂-neutral sein. Etwa 90 Prozent davon wollen wir durch Reduktionsmaßnahmen erreichen. Irgendwann bleibt immer eine Art Restemission übrig. Diese kann dann durch CCUS – Carbon Capture, Utilisation and Storage – kompensiert werden. Aber um das überhaupt zu erreichen, brauchen wir einander wirklich. Ich denke, dass das vor allem auch unsere Rolle ist.
Roel van Gils: Und diese Pilotprojekte auf den Weg bringen.
Sigrid Mulders: Genau.
Roel van Gils: Denn wie geht man so etwas an?
Sigrid Mulders: Das hängt ein wenig vom Ziel des Pilotprojekts ab. Wir führen keine Pilotprojekte nur zum Schein durch. Wir führen nur Pilotprojekte durch, von denen wir glauben: Das ist etwas, das letztendlich wirklich zum Standard in der Produktion werden kann. Wenn jemand eine Frage hat und ein größeres Projekt benötigt, um diese zu untersuchen, wird es wirklich interessant, sich damit zu beschäftigen. Anschließend schauen wir uns an: Was sind die Auswirkungen? Muss im Nachhinein vielleicht noch etwas gemessen werden? Was ist ein ideales Projekt? Welche Gemeinde? Man schaut sich wirklich an, was erforderlich ist. Je nachdem, was erforderlich ist, sieht auch unsere Rolle anders aus. Manchmal wirken wir bei der Erstellung der Unterlagen für die Gemeinde mit. So laufen die verschiedenen Pilotprojekte ab.
[33:31] Zusammenarbeit und Beton als Prozess
Roel van Gils: Okay, gut. Was ist eurer Meinung nach der eigentliche nächste Schritt?
Gerard Roelofsen: Ich setze wirklich auf Zusammenarbeit. Dass man die gesamte Lieferkette im Blick behält. Als Lieferant von Hilfsstoffen würde ich gerne öfter schon im Vorfeld einbezogen werden: „Das ist machbar“, oder „Dafür haben wir eine Lösung“, oder „Damit haben wir in einem anderen Land bereits Erfahrung gemacht. Dort ist man so vorgegangen.“ Also sozusagen grenzüberschreitender Wissensaustausch. Ich glaube, da gibt es noch viel Nachholbedarf.
Pierre Hendrikx: Ich würde sagen: Hört auf, Beton als Produkt zu betrachten. Das klingt sehr kryptisch, aber damit beginne ich eigentlich fast immer meine Vorträge. Hört auf, Beton als Produkt zu betrachten, und betrachtet ihn stattdessen als Prozess. Man denkt: Wenn ich einfach alle Schritte befolge, die ich schon immer befolgt habe, kann ich meinen Beton am Ende so definieren, dass er nachhaltig wird. Aber wenn man sich nicht von Anfang an Gedanken darüber macht, wie man seinen nachhaltigsten Beton einsetzen möchte, landet man irgendwann bei einem Kompromiss, bei dem man in seiner Betonzusammensetzung alle bisherigen Schritte einbezieht, weil es immer schon so gemacht wurde. Dann kommt man zu dem Schluss: Hätte ich dort etwas kritischer nachgedacht, hätte ich bei dieser Betonrezeptur noch etwas ändern können. Aber jetzt steht es bereits in der Entwurfsberechnung fest, es ist bei der Gemeinde festgeschrieben, wir haben dem Auftraggeber etwas versprochen. Wir haben keine andere Wahl mehr. Und dann kommt dieser Bauunternehmer und der möchte auch noch etwas.
Roel van Gils: Immer diese Bauunternehmer, nicht wahr?
Pierre Hendrikx: Nein, ganz und gar nicht. Es geht nicht nur um den Bauunternehmer, nicht nur um den Auftraggeber und nicht nur um den Berater. Jeder trägt in seinem Teil der Kette eine Verantwortung dafür. Der eine trägt die Verantwortung von Anfang bis Ende und baut sie nach und nach ab. Beim anderen nimmt sie nach und nach zu. Manche tragen nur in einer bestimmten Phase Verantwortung. Aber es würde schon sehr viel helfen, diesen Prozess einmal richtig zu verstehen. Diese Erweiterung des Wissens würde sehr viel helfen. Was die Kette zusammenhält, ist eigentlich sozusagen der Tisch, auf dem die einzelnen Glieder liegen. Das ist eine sehr pessimistische Sichtweise. Es gibt auch genügend Beispiele, bei denen es gut funktioniert.
[35:42] Kenntnisse über die Lieferkette und Verständnis für Normen
Roel van Gils: Es ist natürlich jedes Mal ein neues Projekt. Also immer wechselnde Teams, wechselnde Zusammensetzungen. Es ist schwierig, das jedes Mal aufs Neue zu vermitteln, um es mal so zu sagen.
Pierre Hendrikx: Damit komme ich doch wieder auf meinen ersten Punkt zurück. Es gibt einfach drei Normen, die sich alle drei mit Beton befassen, aber ansonsten keinen Zusammenhang miteinander haben. Und das nennen wir die Kette. Wenn sich dieser Bauunternehmer nicht einmal mit NEN-EN 206 und einmal mit NEN 8670 auseinandersetzt, dann schreibt er etwas vor. Er bestellt ein Auto und weiß nicht, ob er einen Fiat Punto oder einen Ferrari bekommt. Vielleicht hat er sich im Hinterkopf ausgemalt, dass es ein Ferrari sein muss, und bekommt dann einen Fiat. Dann wird er bitter enttäuscht. Er hat lediglich aufgeschrieben: Ich möchte ein Auto mit vier Rädern, einem Motor und Türen.
Roel van Gils: Ja, genau.
Pierre Hendrikx: Es geht also auch ein bisschen darum, genau zu verstehen, was man vorschreibt. Grenzen setzen. Untergrenzen, aber auch Obergrenzen. Das geschieht meiner Meinung nach noch zu selten.
[36:43] Hilfsstoffe der neuen Generation
Roel van Gils: Okay. Gerard, woran arbeitet ihr eigentlich gerade?
Gerard Roelofsen: An einer ganzen Menge. In diesem Zusammenhang: Es kommt eine ganz neue Generation von Hilfsstoffen auf den Markt, insbesondere solche, die wirkungsvoller und stärker wirken. Es gibt auch neue Arten von Polymeren, neue Ketten, die man darin herstellt.
Sigrid Mulders: Gilt das auch für andere Bindemittel?
Gerard Roelofsen: Ja, vor allem für andere Bindemittel. Sika hat damit eigentlich schon vor einigen Jahren begonnen. Die Zusatzstoffe, die bereits vor drei, vier Jahren auf den Markt kamen, waren schon für beispielsweise kalzinierte Tonzemente geeignet. Das funktioniert dort einfach. Man merkt allerdings, dass man sich in diesem Bereich noch weiter einarbeiten muss. Insbesondere: Wie verhalten sich solche Füllstoffe und Zemente? Was genau passiert im Laufe der Zeit? Damit beschäftigt man sich vor allem. Wir sehen auch, dass einige neue Stabilisatoren auf den Markt kommen, um die Materialien besser zusammenzuhalten oder eben Kalkstein oder Zemente zu ersetzen. Dann ersetzt man diese eigentlich durch einen Stabilisator. Auch das ist möglich. Beschleuniger sind derzeit ein heißes Thema, und zwar auf breiter Front. Da sieht man alle möglichen Experimente, sowohl gute als auch schlechte. Vor allem aber gibt es noch sehr wenig Verständnis dafür, was genau vor sich geht. Ich habe nicht den Eindruck, dass wir genau wissen, warum wir das tun und wie wir das angehen sollen. Wir stellen zum Beispiel fest, dass man manchmal besser einen stärker wirkenden Wasserreduzierer einsetzt als einen Beschleuniger und damit denselben Effekt erzielt. Bei einem Beschleuniger neigt man doch dazu, sehr viel davon zu verwenden. Auch die Produkte selbst haben einen EPD-Wert. Da könnte das Mittel also schlimmer sein als das Übel. Wir müssen vor allem über die richtige Menge nachdenken und nicht einfach wahllos etwas hineinschütten. Die Digitalisierung spielt dabei ebenfalls eine Rolle. Wie Sigrid bereits sagte: Es mangelt uns einfach an Betontechnikern. Wir sehen, dass Beton im Ausland oft anders betrachtet wird. Vor allem in Ländern, in denen man einfach sagt: Je mehr Zement, desto stärker. Solche Länder gibt es. Dann kommt es manchmal zu ganz seltsamen Diskussionen. Das habe ich auch schon mit Kollegen erlebt. Zum Glück ist alles gut ausgegangen, aber so etwas kommt vor. Deshalb ist diese Digitalisierung wichtig. Sie wird hier auch ein Stück weit Abhilfe schaffen. Man wird sehen, dass sie dabei hilft, Mischungen zu bestimmen und Betonwerke dabei zu unterstützen, bessere Mischungsentwürfe zu entwickeln: Was muss man dosieren, wie muss man dosieren, wann muss man dosieren? Welche Auswirkungen hat das? Muss man vielleicht länger mischen? Muss man kürzer mischen?
[39:48] Dosierung und Anwendungshinweise
Roel van Gils: Ja, denn dieses Wissen ist vorhanden. Aus eurer Sicht ist es natürlich auch wertvoll, darauf hinzuarbeiten.
Vincent van der Plas: Auf jeden Fall. Der Zeitpunkt der Dosierung ist sehr wichtig. Wie hoch ist die Wasserreduktion? Und dann gibt es noch die verschiedenen Arten von Zusatzstoffen. Da wären also Lignosulfonate, Superplastifizierer der dritten Generation. Man muss immer den Anwendungsbereich berücksichtigen. Was ist wo wünschenswert? Manchmal kann man auch eine kleine Menge hinzufügen, um die Verarbeitungszeit zu verlängern, anstatt einen Verzögerer beizumischen. So kann man ein wenig mit den Zusatzstoffen experimentieren, um die richtige Verarbeitbarkeit zu erreichen, aber vielleicht auch etwas mehr Verarbeitungszeit oder umgekehrt etwas mehr Schnelligkeit. Es gibt Winter- und Sommerzusatzstoffe. Wir wechseln auch immer Mitte des Jahres zu Zusatzstoffen von Sika. Und der Zeitpunkt der Dosierung ist wichtig. Sonst geht der gesamte Zusatzstoff verloren, wenn man ihn gleichzeitig mit dem Wasser dosiert. Dann saugt der Zement den Zusatzstoff auf.
Roel van Gils: Ihr seid eine große Partei, aber ist das allen bekannt? Was die Parteizentralen angeht, sozusagen. Gebt ihr entsprechende Anweisungen weiter?
Gerard Roelofsen: Diese Anweisung gibt man zwar immer weiter. Aber es gibt Vorreiter, und es gibt Leute, die sagen: „Mann, das mache ich schon seit zwanzig Jahren, und es läuft gut.“ Und alles, was dazwischen liegt. Manchmal predigt man das Evangelium der Nachhaltigkeit gegen eine dicke Wand. Und dann sagt das nächste Mal jemand: „Darauf habe ich wirklich gewartet, lass uns etwas unternehmen.“ Alles, was dazwischen liegt. Und noch einmal zurück zu dem, was Vincent gerade gesagt hat: Man merkt es auch bei Hilfsstoffen, vor allem bei den neuen Füllstoffen und Tonprodukten, dass der Hilfsstoff sozusagen absorbiert wird und sich dann nicht mehr davon lösen kann und keine Wirkung mehr entfaltet. Dann kann man zum Beispiel mit Opferprodukten arbeiten. Dafür gibt es Methoden. Aber dann muss man auch wissen, was man tut. Wenn man einfach sagt: „Ich schütte es in den Silo und mische es unter, das wird schon…“ Nein, das wird nicht gut. Dann stehen wir manchmal ratlos da: Ich verstehe gar nichts davon, ich verstehe nicht, wie das funktioniert. Dann muss man selbst Schritt für Schritt alles überprüfen: Wie ist die Mischung und wo hat man Druck ausgeübt?
[42:03] Erfahrung des Mischmeisters
Pierre Hendrikx: Dann muss man sich fast neben den Mischmeister im Bahnhof stellen, auf die Bildschirme schauen und über die Kamera verfolgen, was in dieser Mühle vor sich geht.
Gerard Roelofsen: Dann sieht man, was passiert. Natürlich können sie die Wasser- und Zusatzstoffmenge ein wenig nach oben oder unten anpassen. Aber wenn man das mit einem extrem stark wirkenden Superplastifizierer macht, geht das nicht gut.
Pierre Hendrikx: Wenn man es gewohnt ist, ständig auf das Amperemeter zu schauen: In sehr vielen Kraftwerken, die man besucht, achtet der Mischmeister als Erstes darauf, wie das Amperemeter ausschlägt, sobald man etwas an der Zusammensetzung ändert. Dann weiß er: Es ist schon etwas zäher als normal. Dann kommt es aus der Mühle und – verdammt – es ist sogar noch zäher. Diese Leute sind so in einem Kraftwerk verwurzelt, dass sie fast schon mit dem Kraftwerk verschmolzen sind. Sie erkennen sofort die kleinste Veränderung und wissen dann schon, wie es am Ende ausfällt. Das ist Wissen, das man nicht durch KI ersetzen kann. Das ist echtes Verständnis, das man in einem Kraftwerk braucht. Und das untermauert auch, was Gerard zu Recht sagt und was ich selbst erlebt habe: Manchmal muss ein Technologe es erst sehen, bevor er es glaubt. Das kann man ihnen auch nicht übel nehmen, denn diese Leute sind einfach so in ihren Produktionsalltag vertieft. Sie kennen ihre eigenen Produkte in- und auswendig. Sie wissen ganz genau: Wenn ich dies mit meinem Produkt mache und jenes tue und diesen Zusatzstoff hinzufüge, dann kommt dieser Beton dabei heraus. Wenn dann plötzlich jemand von außen kommt und sagt: „Ich habe jetzt etwas Neues und kann die Nachhaltigkeit verbessern“, dann ist das ein bisschen so, als käme jemand an die Tür, um etwas zu verkaufen. Der erste Impuls ist, sich etwas auszudenken und die Tür wieder zuzuschlagen.
Gerard Roelofsen: Ja. Ein Beispiel: Wenn du dir die Schnürsenkel zubindest, versuch es doch mal auf eine andere Art und Weise oder von der anderen Seite aus. Am Anfang klappt es nicht. Dafür braucht man Übung. Das gilt auch für Hilfsstoffe. Wenn du einen neuen Zusatzstoff einführst, lautet die erste Reaktion: Der ist nicht wie der vorherige. Ja, das wussten wir. Aber damit musst du erst einmal Erfahrungen sammeln. Dann ist ein Jahr vergangen und du sagst: Tolles Produkt. Der heilige Gral: Wir geben ein bisschen Hilfsstoff dazu und es ist genau so, wie wir es wollen. Und wir verbrauchen sogar noch weniger davon.
Roel van Gils: Das wäre doch schön, oder?
Gerard Roelofsen: Das ist zufällig erst kürzlich einmal vorgekommen. Aber das sind schon Seltenheiten. Jeder sucht ein bisschen nach diesem „Einhorn“, und das gibt es nicht. Wir müssen also vor allem den Mut haben, es zu versuchen. Und wenn es mal nicht klappt, sollten wir nicht sofort aufgeben. Probiert es länger aus, bleibt im Gespräch miteinander und führt weiterhin gemeinsam einige Sitzungen durch. Was können wir daran optimieren? Dann erkennt man auch, warum es vielleicht klappt oder warum nicht.
[44:34] Empfehlung an den Markt
Roel van Gils: Dann hast du wieder etwas für die Zukunft gelernt. Eine schöne Schlussfolgerung, finde ich. Aber gut, was rät ihr dem Markt und den Zuhörern?
Gerard Roelofsen: Hab keine Angst. Vor allem das nicht. Hab vor allem keine Angst. Versuch es einfach.
Sigrid Mulders: Und suchen Sie die Zusammenarbeit.
Gerard Roelofsen: Ja, denn das ist sehr wichtig.
Sigrid Mulders: Das haben wir heute schon ein paar Mal gehört. Wir werden nicht im Bereich Nachhaltigkeit miteinander konkurrieren. Wenn es in Ihrer Nähe ein Unternehmen gibt, das sich ebenfalls für mehr Nachhaltigkeit einsetzt, suchen Sie das Gespräch. Sprechen Sie mit Ihrem Lieferanten, sprechen Sie mit Ihren Auftraggebern. Schaut einfach, wo ihr euch Wissen aneignen könnt, wo ihr Kooperationspartner findet, und macht euch gemeinsam daran, nachhaltiger zu werden. Wir sind wirklich dabei, den Tanker zu wenden, und in ein paar Jahren werden wir ihn ein gutes Stück gedreht haben. Oder anders gesagt: Wir werden dann schon ein gutes Stück auf dem Weg sein, vor allem was die Mentalität und die Denkweise angeht. Wenn wir ein Stück des Weges zurückgelegt haben, schauen wir weiter. Zunächst müssen wir wirklich gemeinsam daran arbeiten, Veränderungen umzusetzen.
Gerard Roelofsen: Ich glaube auch, dass es, sobald wir diesen Schritt geschafft haben und der Tanker einmal gewendet ist, immer schneller vorangeht. Dann wird es selbstverständlich, dass man miteinander spricht und fragt: Haben wir alles erledigt, haben wir alle Punkte abgehakt, haben wir alles gründlich geprüft? Und erst dann weitermachen – statt schnell, einfach und billig. Das ist es, was immer noch ein wenig im Weg steht. Aber „günstig“ kann sich natürlich auch auf andere Aspekte beziehen. Das muss nicht unbedingt nur im Selbstkostenpreis liegen.
Sigrid Mulders: Ja. Wenn man unter bestimmten Umständen danach so viel bessere Ergebnisse erzielen kann, sollte das mehr gewürdigt werden. Dann gehen auch Nachhaltigkeit und „sustainability“ Hand in Hand. Das niederländische Wort macht das schwierig. Es gibt, wie du gerade gesagt hast, Pierre, einfach Umstände, unter denen eine nachhaltigere Mischung bessere Leistungen erbringt. Dann kommen wir doch wieder auf die Leistungsfähigkeit von Beton zurück. Man muss einfach herausfinden: Was braucht man wo und wen braucht man wo? Es ist ein Prozess, in dem wir uns alle gerade befinden.
Roel van Gils: Wie auch immer, die Technik ist da, zumindest sage ich das.
[46:55] Verantwortung in der Lieferkette
Pierre Hendrikx: Immer mehr. Sei dir auch bewusst, wo du dich im Prozess befindest. Wo stehst du als Akteur in der Kette, welche Verantwortung trägst du und welche Entscheidungsmöglichkeiten hast du noch? Und wenn du eine Entscheidung triffst, sei dir bewusst, dass du damit die Entscheidungsmöglichkeiten für den Akteur nach dir einschränkst. Du sagst: Der Tanker wendet gerade. Manchmal habe ich das Gefühl, dass der Tanker eher durch die Strömung wendet, als dass wir alle auf dem Schiff unsere richtige Rolle einnehmen.
Gerard Roelofsen: Ja. Zwei Kapitäne am selben Steuer, die nach links und rechts ziehen.
Pierre Hendrikx: Sozusagen. Um ein Schiff wenden zu lassen, braucht man jemanden, der die Motorleistung drosselt, jemanden, der den Kurs festlegt, jemanden, der das Ruder tatsächlich in Bewegung setzt, und jemanden, der sich auch noch ein wenig um die Wartung kümmert, damit das Schiff nicht mitten in der Wende ausfällt. Wenn wir diesen Prozess genau betrachten, dann sei dir einfach bewusst, dass du eine Rolle in diesem Prozess spielst und dass deine Entscheidung einen wesentlichen Einfluss auf das Ergebnis hat. Nicht, dass derjenige nach dir das dann schon wieder in Ordnung bringt.
Sigrid Mulders: Das ist wirklich so. Denn wenn man als Auftraggeber nicht danach fragt, passiert nicht viel. Aber wenn man als Dienstleister es nicht anbietet … Man braucht einander wirklich und muss sich gegenseitig befragen.
Gerard Roelofsen: Man muss sich gegenseitig mit neuen Produkten oder neuen Sichtweisen anregen. Manchmal bringt das etwas, manchmal nicht. Aber man muss in Bewegung bleiben. Sobald man stillsteht, kommen wir nicht mehr voran.
Vincent van der Plas: Oft ist viel mehr möglich, als man denkt. Wenn die Wünsche klar sind, schauen wir gemeinsam: Welche Alternativen gibt es, welche Lösungen können wir anbieten? Auf dieser Grundlage hat sich bisher tatsächlich gezeigt, dass viel mehr möglich ist, als wir dachten.
Sigrid Mulders: Schau mal, das finde ich wirklich sehr schön.
Gerard Roelofsen: Wir sind dort eigentlich immer noch jede Woche überrascht, was alles möglich ist und was noch alles dazukommt.
Vincent van der Plas: Es gibt so viele neue Produkte auf dem Markt. Und wenn es keine Pilotprojekte gibt … Bei jedem Pilotprojekt sammeln wir sehr viele Daten. Diese lassen wir in externen Labors untersuchen. Wir prüfen, ob etwas wirklich funktioniert. Bringt es einen qualitativen Mehrwert? Handelt es sich lediglich um eine CO₂-Reduzierung? Mit diesen Daten können wir weitermachen.
Sigrid Mulders: Und technisch gesehen ist unglaublich viel möglich.
Vincent van der Plas: Technisch gesehen ist unglaublich viel möglich.
Sigrid Mulders: Aber wir müssen es vor allem einfach tun.
Vincent van der Plas: Ja, aufmerksam sein.
Pierre Hendrikx: Man muss verstehen, dass eine Betonwand in einem Gebäude steht und dass die Qualität auf der Baustelle entsteht. Dass es Fachkräfte braucht, die das herstellen. Wenn man das versteht, sollte man wirklich den gesamten Prozess betrachten. Das könnte genauso gut im Eemshaven sein, sozusagen am Kai. Zement, Rohstoffe und Zusatzstoffe reichen zwar aus. Aber betrachten Sie es wirklich als eine Wand in einem Gebäude mit einer Festigkeitsklasse XC1 und einer Betonklasse C30/37 oder C20/25. Und handeln Sie auch entsprechend.
[49:52] Zusammenarbeit als roter Faden
Roel van Gils: Okay. Also Zusammenarbeit – das ist eigentlich der rote Faden in dieser Geschichte. Vielen herzlichen Dank an alle für dieses Gespräch.
Sigrid Mulders: Ich danke dir für die Einladung.
Pierre Hendrikx: Ja, vielen Dank euch allen.
Gerard Roelofsen: Vielen Dank.
Vincent van der Plas: Vielen Dank.







