Die Sanierung der historischen Maschinenfabrik auf dem ehemaligen Scheldewerft-Gelände in Vlissingen ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie die Fundamenttechnik zu einem kreislaufwirtschaftlichen und nachhaltigen Bauen beiträgt. Im Rahmen dieses groß angelegten Umgestaltungsprojekts werden bestehende Industrieanlagen zu multifunktionalen Räumen für Parken, Sport, Kultur und Veranstaltungen umgenutzt. Dabei spielt das Fundamentkonzept eine Schlüsselrolle, wobei der Schwerpunkt auf einer vibrationsfreien Ausführung, der Elektrifizierung und minimalen Auswirkungen auf die bestehende Konstruktion liegt.

Die Maschinenfabrik besteht aus weitläufigen Hallen mit einer Tiefe von bis zu etwa 95 Metern und einer Höhe von 16 Metern. Die Durchführung der Fundamentarbeiten innerhalb dieser bestehenden Struktur bringt erhebliche Einschränkungen mit sich, unter anderem hinsichtlich des verfügbaren Arbeitsraums, der Tragfähigkeit des Untergrunds und der Logistik. Davy Maes, Geschäftsführer/CEO der Fundex Group: “Herkömmliche schwere Fundamentmaschinen, wie große Bohrgeräte (beispielsweise die Typen F3500 und/oder F4800), sind in diesem Zusammenhang aufgrund ihrer Abmessungen und ihres Gewichts nicht einsetzbar. Deshalb wird mit einem spezialisierten, kompakten Maschinenpark gearbeitet.” Eine zentrale Rolle spielt dabei die elektrische Bohranlage CD20E, die speziell für den Einsatz in beengten Räumen und innerstädtischen Umgebungen entwickelt wurde.
Im Rahmen des Projekts werden rund 160 Fundamentpfähle bis zu einer Tiefe von etwa 25,5 Metern gesetzt. Dabei kommen vibrationsfreie Verfahren zum Einsatz, darunter Kombinationspfähle mit Mörtelinjektion. Diese Methode kombiniert eine mechanische Schraubtechnik mit der Injektion von Mörtel, wodurch ein homogener Pfahl mit kontrollierter Tragfähigkeit entsteht. “Der große Vorteil dieser Technik besteht darin, dass Spitzenbelastungen während der Installation vermieden werden. Dies ist bei einem bestehenden Bauwerk, bei dem Vibrationen und Setzungen zu Schäden führen können, von entscheidender Bedeutung. Durch die kontinuierliche Abstützung der Bohrlochwand mittels Mörtelinjektion wird zudem die Stabilität gewährleistet, auch bei heterogenem Bodenaufbau”, sagt Maes.
Ein wichtiger Aspekt dieses Projekts ist der Einsatz von vollständig elektrisch angetriebenen Fundamentbaugeräten. Die Bohranlage vom Typ CD20E arbeitet auf der Baustelle emissionsfrei und verursacht deutlich weniger Lärm als dieselbetriebene Anlagen. Dadurch eignet sich diese Technik besonders gut für innerstädtische Projekte und Sanierungsvorhaben.
Neben leichten Maschinen verfügt Fundex auch über schwerere elektrische Anlagen wie beispielsweise die F4800E. Diese sind mit elektrischen Winden, Hydrauliksystemen und Batteriespeichern ausgestattet und können sowohl mit Netzstrom als auch mit Batterien betrieben werden. Dieses Hybridkonzept erhöht die betriebliche Flexibilität und ermöglicht es, auf zukünftige Energieversorgungsformen zu reagieren.
Die Vorteile der Elektrifizierung liegen auf der Hand: Reduzierung der CO₂- und NOx-Emissionen, geringere Lärmbelastung und verbesserte Arbeitsbedingungen. Gleichzeitig stellt dieser Wandel neue Anforderungen an die Baustelleneinrichtung, insbesondere im Hinblick auf die Energieversorgung und die Ladeinfrastruktur.
Obwohl emissionsfreie Techniken klare Vorteile bieten, gibt es auch einige Punkte, die zu beachten sind. Die anfänglichen Investitionskosten für elektrische Geräte sind höher als bei herkömmlichen Anlagen. Zudem ist die Verfügbarkeit ausreichender elektrischer Kapazität auf der Baustelle nicht immer gewährleistet. Maes fügt hinzu: “Auch Vorschriften und Normen stellen eine Herausforderung dar. Innovative Techniken stoßen oft auf bestehende Rahmenbedingungen, die noch nicht ausreichend auf neue Ausführungsmethoden abgestimmt sind. Dies erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Auftraggebern, Bauunternehmern und Aufsichtsbehörden.”


Eine wichtige Erkenntnis aus dem Projekt ist die Bedeutung einer frühzeitigen Einbindung des Fundamentfachmanns. Indem bereits in der Entwurfsphase über Fundamentkonzepte mitgedacht wird, lassen sich Optimierungen hinsichtlich Pfahltyp, Ausführungstechnik und Materialauswahl vornehmen. Dies führt nicht nur zu einem effizienteren Ausführungsprozess, sondern auch zu einer geringeren Umweltbelastung und einer besseren Risikokontrolle. “Das Fundament entwickelt sich damit von einem rein tragenden Element zu einem integralen Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie”, betont Maes.
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