Der Industriebau wird immer professioneller. Die Produktionslinien werden komplexer, die Skaleneffekte halten an und die Gewinnspannen bleiben unter Druck. Zugleich wächst der gesellschaftliche Druck, schneller, besser und nachweislich zu bauen. Die Wkb erhöht diesen Druck noch weiter: Qualität muss nicht nur geliefert, sondern auch nachgewiesen werden. Es spricht Maarten van der Boon von BIM4Production®. “Die Digitalisierung spielt eine zentrale Rolle, aber die Softwarelandschaft ist für viele Unternehmen ein unübersichtlicher Mix aus Systemen, Begriffen und Versprechungen. Wer den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen will, muss vor allem verstehen, dass drei Systeme ihre eigenen, nicht austauschbaren Rollen haben: ERP, MES und APS.”

Eine Baufabrik funktioniert wie eine einzige Einheit: Menschen, Maschinen, Materialien und Informationen müssen ständig koordiniert werden. Eine Störung an einer Stelle wirkt sich unmittelbar auf den Rest der Kette aus. Genau in dieser notwendigen Kohärenz entstehen laut Van der Boon in der Praxis drei hartnäckige Missverständnisse. “Erstens die häufig zu hörende Bemerkung: ‘Unser ERP kann das auch’. Theoretisch vielleicht, aber in der Praxis führt sie zu Anpassungen, Umwegen und Frustration. Auf diese Bemerkung folgt oft eine zweite: ‘Wir haben ein System dafür’. Ein erfolgreicher digitaler Übergang ist kein ‘Big Bang’ und passt nicht in eine ‘Ein-System-für-alle-Lösung’; er beginnt mit dem größten Engpass und wächst Schritt für Schritt. Die Bemerkung: ‘Digitalisierung ist ein IT-Projekt’ ist die letzte, häufigste Bemerkung unter den ersten drei. Das Gegenteil ist der Fall: Prozesse, Menschen und Kultur bestimmen den Erfolg, nicht Software allein.”
Wer diese Missverständnisse rechtzeitig erkenne, schaffe Raum für eine Systemlandschaft, die sich gegenseitig stärke und nicht konterkariere, sagt Van der Boon. “Deshalb braucht eine moderne Fabrik drei Systeme, die zusammen einen digitalen Backbone bilden: ERP für die Unternehmensprozesse, MES für die Ausführung und APS für die Planung.” Er fährt mit einer kurzen Erläuterung der verschiedenen Systeme fort.
“Ein ERP-System ist in der Regel das administrative und finanzielle Projektgehirn in einer Organisation. ERP gibt Aufträgen, dem Einkauf, den Finanzen und dem Berichtswesen Struktur. Unverzichtbar auf Unternehmensebene. Aber ERP arbeitet grob: es sieht in Wochen und Transaktionen, während die Produktion in Stunden und Minuten arbeitet. ERP ist daher weniger geeignet, um Produktionsarbeitsplätze oder den täglichen Produktionsfluss im Detail zu steuern.”
“MES bringt die Produktionsrealität der Anlage in den Fokus. Es versorgt die Mitarbeiter mit den richtigen Zeichnungen, Anweisungen und Qualitätskontrollen zum richtigen Zeitpunkt im Produktionsprozess. Und es zeichnet in Echtzeit Fortschritte und Abweichungen auf. Das Ergebnis: weniger Fehler, weniger Papier, mehr Vorhersehbarkeit und eine nachweisbare Qualitätssicherung pro Element - was bei Fertigteilen und im Wkb-Kontext von Nutzen ist.”
“Solange Pläne auf Excel, Aufträgen und einer Portion Erfahrung beruhen, bleiben sie anfällig. APS erstellt eine realistische Planwahrheit, die auf der tatsächlichen Kapazität an Mitarbeitern und Ressourcen basiert. Und wenn sich die Realität aufgrund von Störungen oder veränderten Prioritäten ändert, passt APS die Planung integral an. Das erhöht die Liefertreue und reduziert das Risiko unnötiger Produktionsausfälle.”
“Die BIM4Production SaaS-Plattform fügt sich nahtlos in diese Dreiteilung ein. Sie kombiniert ERP-Informationen (unabhängig vom ERP-Anbieter), eine MES-Schicht für die Ausführung und Qualitätssicherung und ein Planungsmodul, das als APS-Engine fungiert. Alles ist in ein Produktions-Ökosystem integriert, das speziell für Industriebetriebe entwickelt wurde. So entsteht ein durchgängiger Datenfluss - vom Auftrag zum Element und von der Planung zur Produktion - vollständig Wkb-konform und ohne die Fallstricke separater Systeme.”
Van der Boon schließt mit einer klaren Vision: “Die Frage ist nicht, ob ERP, MES und APS benötigt werden, sondern wie sie aufeinander abgestimmt werden. Unternehmen, die diesen Zusammenhalt beherrschen, bauen nicht nur eine zukunftssichere IT-Landschaft auf, sondern vor allem eine Fabrik, die zuverlässig produziert. Jeden Tag.”
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