An der Strandpromenade von Nieuwpoort erhält eines der markantesten Gebäude der belgischen Küste ein neues Leben. „The Grand“, das 1924 als „Grand Hôtel“ erbaut und später als „White Residence“ bekannt wurde, wird restauriert, erweitert und einer neuen Nutzung zugeführt. Die Fassaden und Teile des Innenraums stehen seit 1981 unter Denkmalschutz. Das denkmalgeschützte Gebäude macht Platz für siebzig Wohnungen, während die historische Bar und Brasserie im Erdgeschoss wieder für die Öffentlichkeit zugänglich werden. Drei Geschäftsgebäude an der Albert-I-Allee vervollständigen das Projekt. Damit kehrt nicht nur die Pracht des ehemaligen Hotels zurück, sondern auch seine Bedeutung als lebendiger Teil von Nieuwpoort-Bad.
VDD Project Development arbeitet bei der Umgestaltung mit David Chipperfield Architects, Bureau Bouwtechniek und dem Restaurierungsarchitekten Origin zusammen. Ausgangspunkt ist eine Form der Umnutzung, bei der die wertvollen Bestandteile nicht als Dekoration behandelt werden, sondern die Grundlage für die neuen Maßnahmen bilden. Die drei denkmalgeschützten Fassaden, die Eingangshalle, die Bar und die Brasserie werden sorgfältig restauriert. Verschwundene Elemente, darunter der Turm, die Kuppeln, das Vordach, die Loggia und die Eckterrasse, kehren in einer zeitgemäßen Interpretation zurück. Vier zusätzliche Stockwerke stellen gleichzeitig die frühere Leuchtturmfunktion des Gebäudes an der Küstenlinie wieder her.
Diese Kombination aus Erhaltung und Erweiterung erfordert eine präzise bautechnische Ausarbeitung. Eine Punktwolke der bestehenden Fassade bildete die Grundlage für das BIM-Modell, mit dem Alt- und Neubau digital aufeinander abgestimmt wurden. Dies war aufgrund der komplexen Geometrie, der engen Toleranzen und der hohen Belastungen der bestehenden Konstruktion erforderlich. Neue Betonsäulen in der Fassade übertragen die Lasten der zusätzlichen Stockwerke auf die wiederaufgebauten Innenwände. Die neuen Decken erfordern dabei ein Gleichgewicht zwischen geringem Eigengewicht und ausreichendem akustischem Komfort. Am Zeedijk wird zudem ein selbsttragender gemauerter Fassadenbogen mit einer Spannweite von zehn Metern an der Tragkonstruktion aufgehängt. Auch die Lage am Meer stellt hohe Anforderungen an die Detailgestaltung: Salz, Wind und Schlagregen lassen wenig Spielraum für Abstriche bei der Haltbarkeit und Maßhaltigkeit.

Den weißen Fertigbetonelementen von Enjoy Concrete kommt eine prägende Rolle zu. Vor allem die geschwungenen Fassadenteile erforderten eine besondere Maßanfertigung. Für den Turm wurde ein über sieben Tonnen schweres Fensterelement gefertigt, das sowohl in horizontaler als auch in vertikaler Richtung gekrümmt ist. Anhand eines dreidimensionalen Modells und CNC-gesteuerter Formen konnten die Konturen des historischen Turms exakt nachgebildet werden. Der Fertigbeton bildet so das ursprüngliche Fassadenprofil nach, ohne dass die neuen Ergänzungen zu einer wörtlichen Kopie der Vergangenheit werden.
Für die Elemente wurde der weiße Zement „D-Carb CEM II/A-LL 52.5 R“ von Aalborg White verwendet. Die helle Farbe und die hohe Reflektivität fügen sich harmonisch in das ursprüngliche Fassadenbild ein, während das Material gleichzeitig dem anspruchsvollen Küstenklima standhalten muss. Auch der Sockel aus Hartstein wurde in Fertigbeton nachgebildet, unter anderem mit Sand aus Madagaskar, Marmorgranulat und ausgewählten Pigmenten. Laut der vorgelegten Fallstudie senkt D-Carb die CO₂-Emissionen um fünfzehn Prozent im Vergleich zu Aalborg White CEM I 52,5 R, wobei die geforderten Leistungsmerkmale und die Optik erhalten bleiben. Damit zeigt „The Grand“, dass Restaurierung, fortschrittliche Vorfertigung und nachhaltige Materialnutzung sich gegenseitig verstärken können – vorausgesetzt, historische Präzision und technische Umsetzung werden von Anfang an gemeinsam entwickelt.
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