Wer sich Viadukte, Balkone, Galerien und Brücken aus den 1960er- und 1970er-Jahren ansieht, erkennt das Problem des Stahlbetons: den Bewehrungsstahl. Durch Karbonatisierung, Chloride aus Streusalz oder Meeresluft geht die schützende Alkalität um den Stahl herum verloren. Die Folge sind Rost, Volumenausdehnung und Rissbildung. “An vielen Stellen hinken wir den Entwicklungen hinterher”, so Hans Boender, Berater beim Branchenverband Zinkinfo Benelux. “Bei bestehenden Bauwerken kann man noch Reparaturen durchführen oder kathodischen Korrosionsschutz anwenden. Aber bei Neubauten muss man sich fragen: Warum beugen wir dem Problem nicht gleich vor?”
Diese Frage steht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, die Zink-info Benelux dem feuerverzinkten Betonstahl widmet. Er wird bereits seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt, scheitert aber laut Boender noch zu oft schon bei der ersten Kostenkalkulation. “Dann sagt jemand: Das ist teurer als gewöhnlicher Betonstahl. Und damit ist das Gespräch beendet, obwohl man eigentlich die Gesamtkosten über die gesamte Lebensdauer betrachten müsste.”

Die technischen Argumente sind überzeugend. In frischem Beton bildet sich auf verzinktem Stahl eine Schicht aus Calciumhydroxyzinkat, die vor Korrosion schützt und die Haftung zwischen Stahl und Beton verbessert. Zink ist zudem weniger anfällig für den sinkenden pH-Wert in alterndem Beton und widerstandsfähiger gegen Chloride. “Darin liegt der Vorteil”, betont Boender. “Man verzögert den Beginn der Korrosion erheblich und verlängert die Lebensdauer enorm.” Auch wenn Korrosion auftritt, ist der Unterschied groß: Eisenrost kann sein Volumen um das Siebenfache vergrößern, bei Zinkkorrosion bleibt dies begrenzt. Das Verzinken ist somit keine kosmetische Behandlung, sondern eine konstruktive Maßnahme zur Gewährleistung der Langlebigkeit.

Boender versteht, dass Auftraggeber vor allem die Anfangsinvestition im Blick haben, ist jedoch der Meinung, dass sich die Branche damit selbst schadet. “Die Mehrkosten entstehen durch den Bewehrungsstahl, nicht durch die gesamten Arbeiten. Wenn man das gegen die Baukosten, Instandhaltung, Inspektionen, Verkehrsbeeinträchtigungen und Sanierungsmaßnahmen über Jahrzehnte hinweg abwägt, sieht die Sache ganz anders aus. Vor allem bei Infrastruktur, Parkhäusern, Balkonen, Fassadenplatten und Fertigteilverbindungen ist die Rechnung schnell gemacht.”

Hinzu kommt ein Nachhaltigkeitsargument. Eine Konstruktion, die länger hält, muss weniger schnell repariert oder ersetzt werden. Das spart Beton, Stahl, Transportaufwand, Material und CO₂. Am Ende der Lebensdauer kann der Stahl zudem wiederverwertet werden, einschließlich der verbleibenden Zinkschicht. “Kreislaufwirtschaft beginnt nicht erst beim Abriss”, sagt Boender. “Kreislaufwirtschaft beginnt bereits bei der Planung auf eine lange Lebensdauer.” Verzinkter Bewehrungsstahl bietet zudem konstruktive Möglichkeiten und erfordert keine besondere Behandlung auf der Baustelle. Er ist während des Transports und der Montage verschleißfest und lässt sich mit gängigen Betonstahlsorten kombinieren. “Es handelt sich einfach um Feuerverzinkung, eine bewährte Technik. Wir müssen sie nur öfter an der richtigen Stelle anwenden.”
Aus diesem Grund sucht Zinkinfo Benelux den Dialog mit Bauherren, Konstrukteuren, Beratern und Fertigteilherstellern. Auf der bevorstehenden Beton Event in Den Bosch möchte der Branchenverband die Diskussion erneut anstoßen. Nicht als Plädoyer für das Verzinken überall und jederzeit, sondern als ernstzunehmende Option, bei der Lebensdauer, Instandhaltung und Korrosionsrisiken eine große Rolle spielen. Boender: “Wir müssen uns von der reflexartigen Annahme lösen, dass der niedrigste Auftragspreis automatisch die beste Wahl ist. Die Frage ist, was eine Konstruktion in fünfzig, achtzig oder hundert Jahren kostet. Wenn man so rechnet, ist verzinkter Bewehrungsstahl kein teurer Aufpreis. Er ist eine Versicherung gegen Probleme, die man schon kommen sieht.”

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